{"id":22,"date":"2006-11-14T19:52:55","date_gmt":"2006-11-14T18:52:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einvoll.net\/opa\/?p=22"},"modified":"2009-02-22T21:53:52","modified_gmt":"2009-02-22T19:53:52","slug":"die-nase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/opa.holzer.work\/?p=22","title":{"rendered":"Die Nase"},"content":{"rendered":"<p>Meine Nase ist ein eigenwilliger und recht<\/p>\n<p align=\"left\">empfindlicher K\u00f6rperteil. Ich kann mich nicht beklagen \u00fcber ihr Aussehen. Sie ist nicht zu gross, dass sie mich je beim k\u00fcssen gest\u00f6rt h\u00e4tte. Sie ist auch nicht zu klein f\u00fcr meine K\u00f6rpergr\u00f6sse. Auch ihre Form entspricht der in unseren Landen \u00fcblichen griechisch-b\u00f6hmischen Mischung. Nein, es ist nicht ihr Aussehen, sondern ihr manchmal extremes Missverhalten. Sie blutet sehr leicht. Bereits als Kind passierte mir, dass ich mein Gesicht nach dem Waschen mit blutender Nase erhob. Meine Eltern konsultierten einmal den Arzt und der stellte fest, dass die Blutgef\u00e4sse der Nasenscheidewand sehr seicht liegen und ich des \u00f6fteren damit zu k\u00e4mpfen haben werde. Er hatte recht&#8211; das ist mit treu geblieben. Manchmal war es sehr arg und ich erinnere mich an Weihnachten 1985. Kurz vorher war meine Ehe zerbrochen und ich war aus dem gemeinsamen Heim ausgezogen. Das hatte mich schon sehr getroffen und ich war zu dieser Zeit am ehesten in der Whiskyflasche anzutreffen. Das hatte enorme Auswirkungen auf die eben erw\u00e4hnte Nase. Der Christtag war schrecklich, das Bluten war nicht zu stoppen und so entschloss ich mich sp\u00e4t nachts das Spital aufzusuchen. Nachdem der Arzt seine erfolgreiche Behandlung beendet hatte, fragte er mich ob ich trinke. Wahrheitsgem\u00e4ss antwortete ich: &#8222;Ja, was grad so geht!&#8220; Daraufhin nahm er meine Hand, sah mir ernst ins Gesicht und sagte : H\u00f6rns besser auf damit. Es k\u00f6nnt n\u00e4mlich sein, dass man das einmal nimmer bremsen kann!&#8220;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag machte ich wie \u00fcblich meine Arbeit und als ich nach Hause kam, sah ich die noch halbvolle Whiskyflasche stehen. Ich streckte nicht die Hand danach aus, sondern begann nachzudenken. Warum sollte ich mich aufgeben? Warum sollte ich in Selbstmitleid und Alkohol versinken? Warum sollte das Leben nicht auch f\u00fcr mich noch ein paar sch\u00f6ne Seiten hergeben. Ich war jetzt sechzig, war mein ganzes Leben von Frauen umsorgt, geh\u00e4ndelt worden, war unselbst\u00e4ndig bis zum geht nicht mehr. Beim Nachdenken packte mich der Ehrgeiz. . Mein Entschluss stand fest und ich st\u00fcrzte mich in das Abenteuer neues Leben.<\/p>\n<p>Anfangs brannte das Teewasse an und Eier waren so schwer weichzukochen, ich verbrannte mich am B\u00fcgeleisen und sortierte die W\u00e4sche falsch in die Maschine. Die R\u00fcckschl\u00e4ge hinderten mich, aber sie verhinderten nicht, dass aus mir ein ganz passabler Hausmann wurde. Und mit der Zeit kam der Stolz, dass ich mich emanzipert habe, dass ich selber \u00fcber alle meine Lebens\u00e4usserungen frei entscheiden kann. War ich nach der Trennung bestrebt gewesen m\u00f6glichst weit weg von der alten Heimat zu wohnen kehrte ich wieder zur\u00fcck nach Favoriten.<\/p>\n<p>Warum ich das alles schreibe?<\/p>\n<p>Es hat wieder einmal angefangen mit der Bluterei. Am vergangenen Montag beim Arzt, Mittwoch wieder und er glaubte es k\u00f6nnte vorbei sein. Und am Sonntag morgen neuerliches Bluten und es war nicht und nicht zu stoppen. Aber diesmal bitte ohne Whiskyflasche, denn es gibt kaum Alkohol zu Hause.<\/p>\n<p>Es war so arg, dass mir am Abend wieder nur der Notarzt helfen konnte und der brachte mich mit der Ambulanz ins Spital. Da war nachdem man mir einen Eiskragen umglegt hatte  eine junge \u00c4rztin. Ich vermute, sie hat zum erstenmal Nachtdienst gemacht. Man konnte es erkennen an ihrem fast \u00e4ngstlichen Gehabe, an der Unsicherheit mit der sie mit den Ger\u00e4ten umging. Zu ihrer Erleichterung rauschte mit wehendem Mantel der Stationsarzt vorbei, wies sie kurz an, wie und wo die Kaustik anzusetzen w\u00e4re. Danach wieder diese Unsicherheiten, denn jetzt stand auch noch die erfahrene Schwester daneben. Soll sie den Brenner mit der Rechten? Oder doch mit der linken Hand? Mir tat sie fast leid, ich konnte mitf\u00fchlen mit ihr. Normalerweise reagiert ein Patient auf die Art, dass er Angst bekommt. Nicht so ich&#8211; am liebsten h\u00e4tte ich ihr zugeredet.< Komm, trau dich,du kannst das, wozu hast du solange gelernt, du schaffst das><br \/>\nes hat zu bluten aufgeh\u00f6rt, daf\u00fcr rinnt Rotz und Wsser so arg, dass ich ohne Taschentuch vor dem Gesicht keinen Schritt tun kann. Daher die kleine Pause.<\/p>\n<p>Aber mir ist bewusst, dass ich Vertrauen zu den Menschen habe. Auch unter schwierigen Bedingungen. Ich glaube einfach daran , dass sich, nicht jeder, aber viele bem\u00fchen, das beste zu geben.\n<\/p>\n<p><!--e4954690a48fd6375dc6ecf0bd41d5ab--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Nase ist ein eigenwilliger und recht empfindlicher K\u00f6rperteil. Ich kann mich nicht beklagen \u00fcber ihr Aussehen. Sie ist nicht zu gross, dass sie mich je beim k\u00fcssen gest\u00f6rt h\u00e4tte. Sie ist auch nicht zu klein f\u00fcr meine K\u00f6rpergr\u00f6sse. Auch ihre Form entspricht der in unseren Landen \u00fcblichen griechisch-b\u00f6hmischen Mischung. 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