{"id":50,"date":"2007-03-20T23:44:25","date_gmt":"2007-03-20T22:44:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einvoll.net\/opa\/?p=50"},"modified":"2009-02-22T08:15:32","modified_gmt":"2009-02-22T06:15:32","slug":"50","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/opa.holzer.work\/?p=50","title":{"rendered":"O bella Italia!"},"content":{"rendered":"<p>Ganz unm\u00f6glich ist es ja nicht, dass sich jemand f\u00fcr das Weiterleben jenes jungen Soldaten interessiert, der da mit soviel Gl\u00fcck -zumindest vorl\u00e4ufig- dem unerbittlichen, hassvollen Ringen im Osten entronnen war. In &#8222;Ein Schritt vorw\u00e4rts&#8220; hatte ich bereits angedeutet, dass seine Marschorder nach Payerbach gerichtet war. Vorher aber musste er &#8222;feldmarschm\u00e4ssig&#8220; ausger\u00fcstet werden und das geschah in Wien in der Rossauerkaserne. Es war wohl selbstverst\u00e4ndlich, dass der Soldat bei seinen Eltern vorbeischaute um sich zu verabschieden. Vater fuhr mit auf den S\u00fcdbahnhof. Er hatte verhindert, dass Mutter mitfuhr und sie angefahren:&#8220; Mochs dem Buam net no schwerer! Bleib do!&#8220; Und sie gehorchte ihm. Als ich ging sass sie in der kleinen K\u00fcche und hatte ein Nackedeibild von mir vor den verweinten Augen. &#8222;Gemma!&#8220; sagte Vater barsch und sie tat mir ungeheuer leid. Auf der Fahrt mit dem 18er zum S\u00fcdbahnhof sprachen wir gar nichts. Vater war kein grosser Redner, aber wenn er was sagte, dann hatte das Gewicht. Es war ein langer Zug, voll mit haupts\u00e4chlich Soldaten und ich hatte mein Abteil ganz weit draussen ausserhalb der Halle. Ich hatte mein Gep\u00e4ck hineingeworfen und trat ihm noch einmal gegen\u00fcber. Wir waren gleich gross und sahen uns in die Augen. Gar nicht als Vater und Sohn, sondern von Mann zu Mann. Dann legte sich seine Hand auf meine Schulter, die schwere Arbeiterhand. Eine Hand, die mich wohl gestraft und nie- wirklich nie?- gestreichelt hat. Ihr Druck wurde fast unertr\u00e4glich und da war wieder der Vater in seinen Augen:&#8220;Kumm zruck Bua.&#8220; Und nach einer Weile, fast verzweifelt:&#8220; Wurscht wia!&#8220; Dann liess er mich los und ging. Nach ein paar Schritten drehte er sich um und hob die Hand zum Abschied.<\/p>\n<p>Es stellte sich heraus, dass meine Reisegenossen im Abteil das gleiche Ziel wie ich hatten: Das Ausr\u00fcstungslager f\u00fcr Scharfsch\u00fctzen. Dort erhielten wir alle die Dinge, die man eben als Scharfsch\u00fctze so notwendig braucht. Und das waren ein Zielfernrohr, das dazu geh\u00f6rende noch zu justierende Gewehr, ein Fernglas und Tarnmaterial. Gl\u00fcck zum \u00dcberleben konnte man leider nicht ausfassen. Nach Erledigung all dieser Dinge stand der Verwendung als zuk\u00fcnftiges Kanonenfutter nichts mehr im Wege. Der neue Marschbefehl lautete Bahnhofskommandatur Bologna. Wir waren wieder beisammengeblieben und hatten uns schon recht angefreundet und sahen mit der Zuversicht junger Menschen der noch ungewissen Zukunft entgegen. Ich war zwar schon beim Arbeitsdienst in S\u00fcdb\u00f6hmen gewesen, dann in der Rekrutenzeit in Br\u00fcnn, in Nikolsburg und dann wie schon erw\u00e4hnt in Ungarisch Hradisch, aber so weit von zuhause fort war ich noch nie gewesen und dann noch Italien!! Vater kannte die ganze Donau, er war in der Schweiz und in Savoyen, aber Italien, das war schon was. Ich sah beim Vorbeifahren das breite Bett der Fella, wunderte mich \u00fcber soviel Schotter und dann erst auf der Tagliamentobr\u00fccke. Die hatten ja mehr Schotter als Wasser. Die italienischen Zwangsarbeiter, die auf Urlaub heimfuhren sangen ein \u00fcbers anderemal &#8222;Oh mia bella Napoli&#8220; und sonst noch was \u00fcber Bella Italia und irgendwie konnte ich diese Leute verstehen. Sie fuhren nach Hause und pl\u00f6tzlich wurde mein Herz schwer, denn ich dachte daran ob ich wieder einmal den umgekehrten Weg fahren werde. Aber alles war vergessen, als ich dem Bahnhofoffizier in Bologna meinen Marschbefehl vorlegte. Von jetzt an war alles anders.\n<\/p>\n<p><!--21e1818e4bf421214dee76357857f0d5--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz unm\u00f6glich ist es ja nicht, dass sich jemand f\u00fcr das Weiterleben jenes jungen Soldaten interessiert, der da mit soviel Gl\u00fcck -zumindest vorl\u00e4ufig- dem unerbittlichen, hassvollen Ringen im Osten entronnen war. In &#8222;Ein Schritt vorw\u00e4rts&#8220; hatte ich bereits angedeutet, dass seine Marschorder nach Payerbach gerichtet war. 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