{"id":51,"date":"2007-03-24T21:26:08","date_gmt":"2007-03-24T20:26:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einvoll.net\/opa\/?p=51"},"modified":"2011-05-17T19:07:04","modified_gmt":"2011-05-17T17:07:04","slug":"ausgekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/opa.holzer.work\/?p=51","title":{"rendered":"Ausgekommen!!!"},"content":{"rendered":"<p>Der kleine Soldat war eigentlich kein ganz kleiner. Im Gegenteil. Manche meinten, er w\u00e4re ein langer Lulatsch. Und eigentlich zu Gr\u00f6sserem geeignet. Er ist auch jetzt noch \u00fcberdurchschnittlich gro\u00df. Wenn auch schon etwas eingegangen, denn der scharfe Zahn der Zeit lie\u00df ihn schrumpfen. Damals allerdings war er noch schlank und rank. Und er erinnert sich:<\/p>\n<p>&#8220; Ja hast Du denn gedacht ausgerechnet unser Bub kommt denen aus?&#8220; So sagte mein Vater zu meiner Mutter. Sie war schreckensbleich geworden, als ich meinen Eltern den an mich gerichteten &#8222;Blauen Brief&#8220; \u00fcberreicht hatte. Er enthielt den Einberufungsbefehl zum&#8220;Reichsarbeitsdienst&#8220;. Zur Illustration der Lage zu Neujahr 1943: Rommels Afrikakorps hatte eine vernichtende Niederlage bei El Alamein erlitten und befand sich auf der Flucht nach Tunesien und die lange schon vernichtete Sowjetarmee war wiedererstanden und hatte die Deutsche 6. Armee in Stalingrad eingeschlossen. Die gesamte zerfetzte S\u00fcdfront rollte zur\u00fcck. Kein Zweifel- 2 Armeen kaputt- der &#8222;F\u00fchrer&#8220; schrie nach Soldaten. Und der RAD war ja bereits die Vorstufe dazu. Da lernten junge Menschen Disziplin und Ordnung, machten sogar noch n\u00fctzliche Arbeit. Vor allem aber lernten sie gegebenen Befehlen zu gehorchen , wurden willige Werkzeuge der Machthaber. Mir war das nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht recht, wurde ich doch aus der grade begonnenen Ausbildung herausgerissen. Aber wer fragte damals schon nach so einer Lapallie, wo doch das deutsche Volk seinen Schicksalskampf  f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Mit reichlich gemischten Gef\u00fchlen folgte ich also dem Einberufungsbefehl. Am Wiener Nordbahnhof wurde ich in einen Zug gesetzt, der mich nach Gm\u00fcnd brachte. Dort hiess es aussteigen und ein unifomierter Arbeitsdienst-Unterf\u00fchrer sammelte nach einer Liste die angekommene Mannschaft und verfrachtete uns in ein Schmalspurb\u00e4hnle. Es gibt heute noch in Gm\u00fcnd eine solche Schmalspurbahn. Aber sie f\u00e4hrt in die andere Richtung- nach Weitra und Gro\u00df-Gerungs. Jene Bahn mit der ich damals weiterfuhr existiert schon lange nicht mehr. Sie wurde bald nach dem Krieg aufgelassen. Sie f\u00fchrte \u00fcber Litschau in den s\u00fcdb\u00f6hmischen Ort Neubistritz. Wir bekamen einen G\u00fcterwaggon zugewiesen in dem schon ein Arbeitsdienstmann Dienst machte. Einrichtung gab es keine, ausser niedere Holzraste auf denen wir uns mitsamt Gep\u00e4ck niederliessen. In der Mitte des Waggons aber war ein kleines Kanonen\u00f6fchen, das wunderbar bullerte. Das war auch notwendig, denn es war bitterkalt. Kein Wunder, dass wir sehr darauf achteten, dass das kleine \u00d6fchen immer gen\u00fcgend Nahrung erhielt. Wir froren trotzdem genug bis wir nach langer Rumpelei in Neubistritz anlangten.  In langer Reihe marschierten wir dann- noch ganz unmilit\u00e4risch- auf einem Str\u00e4\u00dfchen  etwa  4 Kilometer weiter, bis  an der linken Strassenseite etwas erh\u00f6ht das RAD-Lager sichtbar wurde. Es dauerte nicht lange und aus dem zivilen Sauhaufen war ein funktionierendes Gebilde geworden. Kein Zweifel- das waren Profis. Die Unteroffiziere hiessen Truppf\u00fchrer und die Offiziere waren Feldmeister- oder so \u00e4hnlich und  bereits nach einer Woche, klappte bereits Antreten zum Appell und das Exerzieren mit dem Spaten und die Stubenordnung und der Bettenbau und was weiss ich noch alles. Jeder der selbst so einen Zauber schon mitgemacht hat, weiss ohnehin wovon ich rede. Nach vier Wochen fand die F\u00fchrung waren wir reif zum Gel\u00f6bnis und das kam einer Vereidigung recht nahe. Waren wir bisher eingesperrt, konnten wir danach in den Ort ausgehen, wenn dienstfrei und kamen nun auch zum Arbeitseinsatz im Aussendienst. Dazu bewegten wir uns per Rad zur Arbeitsstelle. Na das war was f\u00fcr meines Vaters Sohn. Ich zum allererstenmal auf einem Fahrrad- und dazu mit einem Spaten in der Hand!!! Ich habe damals sicherlich meinen damaligen Kameraden viel Gelegenheit zum Lachen gegeben- unfreiwillig nat\u00fcrlich. Wir bauten befestigte Forststrassen in den riesigen Forsten zwischen Schamers und Neuhaus. Heute heisst die kleine Stadt Jindrichov Hradec. Ich weiss heute noch genau welche Arbeitsg\u00e4nge n\u00f6tig waren um aus grundlosen Fahrrillen einen ordentlichen Forstweg werden zu lassen. Sag mir keiner, das w\u00e4re zu nichts n\u00fctze gewesen- nur ich habe keinen Forstweg mehr gebaut.<\/p>\n<p>Soweit so gut- Ich schrieb nach Hause, bekam ein par Sachen geschickt- darunter Rasierzeug, denn auf Geheiss meiner Obrigkeit musste ich mir die paar Bartsprossen abschaben. Ich bekam auch Besuch. Meine Mutter erwartete mich in Neubistritz in der Konditorei. Oh Wunder, sie hatte sogar mein M\u00e4dchen mitgebracht und das obwohl sie sich mit H\u00e4nden und F\u00fcssen gegen eine Verbindung mit ihr gewehrt hatte. Das war damals m\u00f6glich, denn Neubistritz geh\u00f6rte damals zum Reichsgau Oberdonau- \u00d6sterreich durfte man ja nicht mehr sagen also statt Ober\u00f6sterreich eben Oberdonau. Der Jammer an der ganzen Sache war der: Ich bin kein ordentlicher Mensch geworden.  Denn immer wieder fand der kontrollierende Truppf\u00fchrer , dass meine Decke nicht richtig gefaltet war, dass meine  Unterhosen falsch im Spind lagen oder dass mein Zahnputzbecher schlecht ausgewaschen war. Daf\u00fcr gab es den sogenannten Stubenarrest- gleichbedeutend damit, dass man ein Wochenende lang   den Putztrottel f\u00fcr die Stube machen musste. Das geschah mir ziemlich h\u00e4ufig und trotzdem war ich in meiner Stube recht beliebt. Warum kann ich eigentlich heute nicht mehr sagen.  Anfang Februar war es dann soweit. Stalingrad stellte den Widerstand ein und kapitulierte. Ich hatte am n\u00e4chsten Tag Torwache und was war die Parole? Richtig! Stalingrad war die Parole.<\/p>\n<p>Es waren drei Monate vorgesehen zur Ausbildung als Arbeitsmann. Danach sollte die Entlassung erfolgen und kurz darauf die Einberufung zur Wehrmacht. Es waren nur mehr zwei Wochen bis dahin und da waren im Lager Hutz und Putz angesagt. Alles sollte am Schn\u00fcrchen klappen- also m\u00fchte man sich. Erwartet hatten wir eine h\u00f6here Arbeitsdienstkontrolle. Die war auch da. ABER IN BEGLEITUNG EINES SS-F\u00dcHRERS. Am Abend vorher wurde ich zu einem Obertruppf\u00fchrer in sein Zimmer befohlen.  Er fragte mich ob ich etwas gegen eine Weiterverwendung als Arbeitsdienst Unterf\u00fchrer h\u00e4tte. Ich sagte schweren Herzens zu, denn das bedeutete sicher irgendwohin auf einen Lehrgang versetzt zu werden. Und dann kam die SS! Und als der schwarze Totenkopfmann durch die Reihen ging sah er mit Wohlgefallen auf den langen Lulatsch. Den Ersten im ersten Glied. Den h\u00e4tten wir gern- meinte er. Aber da war der Obertruppf\u00fchrer Polisenski da und hob abwehrend die Hand: Der Mann ist zum Truppf\u00fchrerlehrgang abzustellen. Ich kann mir vorstellen, dass der Totenkopf geknurrt hat. Kein Mensch mehr hat was von Truppf\u00fchrerschule von mir gewollt. Ich fuhr nach Hause wie geplant. Vater schlug die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammen:&#8220;Hast du ein Massel ghabt Bua!&#8220; Klar- gerne h\u00e4tte er mich wirklich nicht gesehen als SS-Mann.<\/p>\n<p>Aus dem Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht vom 6.Januar 1943:<br \/>\n&#8230;Weiter wird die Sicherstellung des Ersatzes f\u00fcr die vom F\u00fchrer angeordnete Aufstellung von 2 neuen SS-Divisionen befohlen&#8230;Hierzu solen 27 000 Mann des Geb.-Jg 25 durch Werbung im RAD gewonnen werden&#8230; Der Reichsarbeitsf\u00fchrer wird um Mithilfe bei der Werbung des Geb.Jg 25 gebeten.<\/p>\n<p>Ich glaube, nachdem ich dies viele Jahre sp\u00e4ter gelesen habe- der Obertruppf\u00fchrer Polisenski hatte was gegen den Reichsarbeisf\u00fchrer- oder gegen die SS.\n<\/p>\n<p><!--856423e09ff8fd18ac4f6dd431859d6c-->\n<\/p>\n<p><!--0ab6567f3baea3fbd766829cf84ce3f0-->\n<\/p>\n<p><!--856423e09ff8fd18ac4f6dd431859d6c-->\n<\/p>\n<p><!--856423e09ff8fd18ac4f6dd431859d6c--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der kleine Soldat war eigentlich kein ganz kleiner. 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