{"id":53,"date":"2007-03-28T19:45:08","date_gmt":"2007-03-28T18:45:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einvoll.net\/opa\/?p=53"},"modified":"2009-02-22T21:55:18","modified_gmt":"2009-02-22T19:55:18","slug":"ein-kerzenlicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/opa.holzer.work\/?p=53","title":{"rendered":"Ein Kerzenlicht"},"content":{"rendered":"<p>Gestern nacht flackerte eine Kerze in meiner Stube.  Sie flackerte zum Gedenken an einen  Geburtstag und einen Todestag.  sie sollte mich an einen der ungew\u00f6hnlichsten Menschen erinnern, die ich je kennengelernt hatte. Leider wurde mir diese Gnade erst sp\u00e4t gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Am 28. M\u00e4rz 1933 wurde Otto Alfred Maria Birke geboren und das geschah in Braunau- nein nicht in jenem am Inn, sondern in einem kleinen St\u00e4dtchen  am Ostausl\u00e4ufer des Riesengebirges. Dort wo B\u00f6hmen schon fast nach Schlesien hin\u00fcberschaut und wo die Menschen einen Dialekt sprechen, den man hierzulande kaum versteht.<\/p>\n<p>Er teilte das Geschick mit den vielen, die seine Sprache sprachen. 1946 wurde er ausgesiedelt. Seine Familie kam nach Burghausen, einer sch\u00f6nen kleinen Stadt an der Salzach- unmittelbar an der \u00f6sterreichischen Grenze. Er hatte Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck, denn in einem dort ans\u00e4ssigen Chemiewerk bekam er eine Lehrlingsausbildung als Schlosser. Und er blieb diesem Werk sein ganzes Leben bis zur Pensionierung verbunden, arbeitete dort als Mess- und Regelmechaniker das ganze liebe, lange Jahr lang, hielt seinem Werk die Treue.<br \/>\nAber kaum gab es einen Funken Freizeit war der Otto nicht zu halten und war weg und sein Ziele waren weit gestreut und verteilten sich \u00fcber ganz Europa und sogar ein bisserl dr\u00fcber hinaus. 1953 hat er geheiratet und bald darauf gab es Nachwuchs. Ein Sohn und er hie\u00df Uwe. Die Liste seiner Abenteuer- und Freizeitbesch\u00e4ftigungen ist so umfangreich, dass ich sie meinen Lesern nicht zumute. Aber er hat uns selbst die sch\u00f6nste Erinnerung an ihn hinterlassen: Er hat in zwei B\u00fcchern \u00fcber seine Erlebnisse berichtet und ich muss sagen- er war ein sehr guter Erz\u00e4hler.  1965 gab es noch einmal Nachwuchs: Ein T\u00f6chterchen Alexandra war geboren. Wie Katharina seine Frau dieses Abenteuerleben verkraftet hat, verdient meine Bewunderung, denn sie trug diese Familie und nicht nur sie, sondern ganz gewiss auch ihn. Denn irgendwie blieb der Riesenlackel doch immer ein Kind.<\/p>\n<p>Wie er es geschafft hat ohne Kenntnis einer Fremdsprache  durch alle diese L\u00e4nder zu kommen wird nur erkl\u00e4rlich, wenn man sich das offene, ehrliche Gesicht und die l\u00e4chelnden Augen ins Ged\u00e4chtnis ruft. Nach einem Schlaganfall wurde seine Beweglichkeit immer mehr eingeschr\u00e4nkt und das verkraftete er schlecht. Einen Tag vor seinem 72. Geburtstag hatte er genug und ging.<\/p>\n<p>Ehrensache bei seiner Einsegnung zu sein, Ehrensache an seinem Grab zu stehen. Aber es war wohl halb Bayern das da den Friedhof von Burghausen zu klein werden lie\u00df.<\/p>\n<p>Wenn mich der F\u00e4hrmann einst \u00fcber den Fluss des Vergessens rudert, dann wirst Du am anderen Ufer stehen mitten unter den vielen Freunden Deines Lebens. Und Du wirst mir ein Glas reichen- es muss ja kein Grappa sein. Tiroler Roter schmeckt doch auch k\u00f6stlich!<\/p>\n<p>Pfiat Di, Otto, bis bald!\n<\/p>\n<p><!--b73df0f27e2ea2bbf803fe3d847d658d--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern nacht flackerte eine Kerze in meiner Stube. Sie flackerte zum Gedenken an einen Geburtstag und einen Todestag. sie sollte mich an einen der ungew\u00f6hnlichsten Menschen erinnern, die ich je kennengelernt hatte. Leider wurde mir diese Gnade erst sp\u00e4t gew\u00e4hrt. Am 28. 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