{"id":56,"date":"2007-03-29T13:04:49","date_gmt":"2007-03-29T12:04:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einvoll.net\/opa\/?p=56"},"modified":"2011-05-17T17:43:19","modified_gmt":"2011-05-17T15:43:19","slug":"otto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/opa.holzer.work\/?p=56","title":{"rendered":"OTTO"},"content":{"rendered":"<p>Es war Ende Juli-Sommer! Bergsteigersommer sogar, denn ich war auf dem Karnischen H\u00f6henweg unterwegs. Es w\u00e4re mein 9. Wandertag geworden und ich hatte nach einem langen Abend mit dem Besitzer des Pl\u00f6ckenhauses und dem Almer von der Tschintemunt-Alm gut geschlafen. Mein Plan sah vor, von der italienischen Seite her um die Hohe Warte herum zum Wolayersee zu gehen. Aber ich war so nachdr\u00fccklich auf die Friedenswege auf dem kleinen Pal hingewiesen worden, dass ich beschloss einen Tag einzuschieben und mir die Arbeit der DOLOMITENFREUNDE anzusehen. Der Chef des Hauses, der damals trotz seines hohen Alters noch immer F\u00fchrungen veranstaltete, sagte zwar, dass diese Woche keine F\u00fchrung sei, aber er traue mir ohne weiters zu, dass ich auch allein zurecht k\u00e4me. Das Tourenbuch w\u00f6rtlich im Original:<\/p>\n<p>9.Tag Kleiner Pal 1867m                                                                   Mo 30.7<\/p>\n<p>Es war selbstverst\u00e4ndlich, dass ich diesen Berg bestieg, der im ersten Krieg eine so gro\u00dfe Rolle gespielt hatte&#8230;..stand f\u00fcr mich fest, auf eigene Faust hinaufzugehen. Im Foyer des Hauses stand ein Modell der MG-Nase, im Fr\u00fchst\u00fcckzimmer waren alle W\u00e4nde mit Fotografien und einer alten Frontkarte vollgeh\u00e4ngt. Der Vater des Seniors d\u00fcrfte einer  der Organisatoren der ersten Stunde des Krieges gewesen zu sein. Also rauf! Nachts war es sehr feucht und der mit dichter Vegetation bestandene Aufstieg brachte mich schon recht ins Schwitzen. Die MG-Nase stellte sich als vollkommen rekonstruiert heraus. Die MG-Scharten waren mit Stahlschilden und Schubern abgeschlossen. &#8230;Endlich war ich aus der Vegetation heraus und es geht dann ein kleines L\u00fcfterl. Sofort fallen grosse Kaverneneing\u00e4nge auf. Sie waren dem Cellon zugewandt und mussten nach dem Verlust des Cellon-Gipfels aufgegeben werden. Die Westseite dieser Rippe sah aus wie K\u00e4se mit L\u00f6chern&#8230;. Oben dann in einer Mulde ein verschlossenes Zelt. Gegen S\u00fcd eine un\u00fcbersichtliche Hochfl\u00e4che. Nach ca 200 m eine Felsbarriere mit erkennbaren Stellungsresten. Nach N zu ist die Kopfstation der Materialseilbahn zu sehen. Nach O zu gelbe Markierungstafeln am Fels. Die Leute an der Seilbahn sind nicht gespr\u00e4chsbereit und ich benutze den Hinweis zu einem Stollen&#8230;. Ich will aber hinauf und benutze den Klettersteig der durch einen gesch\u00fctzten Laufgraben zu einer Sappe f\u00fchrt. Von einem Paar, das mich \u00fcberholt erfahre ich, dass der Abstieg ins Angerbachtal leichter ist als der Landsturmweg, den ich als Abstieg ins Auge gefasst habe. Und von einer Edelwei\u00dfwiese- aber der Zugang w\u00e4re schwierig. ( Ein Edelwei\u00df holte ich mir trotzdem ). Ich bin in dem nun folgenden Stellungsgewirr, das teils gemauert, teils in den Fels gesprengt, ist bald zuhause. Das was ich sehe ist bedr\u00fcckend genug. Die hier Sommer und Winter ineinander verkrallten M\u00e4nner mussten ja psychisch durchdrehen. Oft auf Wurfweite liegen die Stellungen einander gegen\u00fcber. K\u00e4rgliche Vegetation hat die Trichterfelder ein wenig zugedeckt und ihnen ein wenig das Grauen genommen&#8230;..die vordersten Sappen (trincea) waren nur 25 m voneinander entfernt. Die gegenseitigen Haupt-(Riegel)Stellungen 120-150 m mit gedeckten Laufg\u00e4ngen, Stahlschilden und Schie\u00dfscharten&#8230;Grauenhaft!<\/p>\n<p>Soweit mein Tourenbuch!                                               Ich steige aus dem Laufgraben heraus, finde einen geeigneten Sitzstein und schau mich um. Gegen\u00fcber- etwas \u00fcberh\u00f6ht die italienische Hauptstellung Trincerone hinter einem Gewirr aus Stacheldraht und Granattrichtern. Das ungarisch-italienisch-deutsche Gespr\u00e4ch hinter und unter mir hatte aufgeh\u00f6rt und die Freiwilligen machten wohlverdiente Mittagrast.  Da sieht mich einer sitzen, klettert vom Laufgang heraus und setzt sich neben mich hin.  Sein Hemd ist verschwitzt, er riecht auch so und an seinem Unterarm hat er eine  verkrustete Verletzung. Und M\u00f6rtelspritzer auf der Hose. Minutenlang sagt er kein Wort, denn er sp\u00fcrt meine Ergriffenheit.                                                                                                         Dann sagt er genau,  das was auch ich empfinde:&#8220;Dass ma des aushalten hat kennen&#8220;                   Ich nicke nur und mache &#8222;Mhm&#8220;. Und nach einer Weile: &#8222;Summer gehts ja no, aber in Winter&#8220;           Er: &#8222;Die armen Hund&#8220;<\/p>\n<p>Ich:&#8220;Bist aus Bayern?&#8220;<\/p>\n<p>Er nickt:&#8220;Und du?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;I bin a Weaner!&#8220; Anerkennendes Aufblitzen in seinen Augen.<br \/>\n&#8222;Mogst an Schluck?&#8220; Er h\u00e4lt mir die Feldflasche hin aus der er getrunken hat.<\/p>\n<p>&#8222;Dank schen. Du brauchst es notwendiger. Ich hob no gnua.&#8220;<\/p>\n<p>Er h\u00e4lt mir die Pratzen hin. &#8220; I bin der Otto.&#8220;<\/p>\n<p>Ich nehm die Hand. Ein fester H\u00e4ndedruck. &#8222;Und i ha\u00df Walter!&#8220;<\/p>\n<p>Ich:&#8220;Guat, dass ihr des da machts! Nur kan Kriag mehr&#8220;<\/p>\n<p>Er: Vielleicht hilfts!<\/p>\n<p>Ich war schon dr\u00fcben beim Trincerone und sah zur\u00fcck. Er sa\u00df noch auf dem Stein und sah mir nach. Langsam hob er die Hand und gr\u00fc\u00dfte mit dem Salut. Es war der Gru\u00df eines Friedensarbeiters.<\/p>\n<p>Es war etwa 5 Jahre sp\u00e4ter und ich hatte vor einiger Zeit schon Ingeborg sch\u00e4tzen und lieben gelernt. Da rief sie mich eines Tages an: &#8222;Du- mein Cousin aus Bayern ist in Wien und er m\u00f6chte gerne zum Heurigen gehen. Und ausserdem will er Dich kennenlernen. Bist Du dabei?&#8220;-&#8222;No Nat\u00fcrlich&#8220;<\/p>\n<p>Also auf zum Heurigen. Und wer sitzt da neben Ingeborg? Der Otto vom kleinen Pal!<\/p>\n<p>Klar, dass wir von der ersten Minute an Freunde waren.<\/p>\n<p>DOLOMITENFREUNDE eben!\n<\/p>\n<p><!--7702c53cdc7f553d94b0bf6d5aab8fe7-->\n<\/p>\n<p><!--bc94418099f11eddc686d6f82c342c67-->\n<\/p>\n<p><!--e3574f2fad743891a7ec2a9684844b86-->\n<\/p>\n<p><!--e3574f2fad743891a7ec2a9684844b86-->\n<\/p>\n<p><!--7702c53cdc7f553d94b0bf6d5aab8fe7-->\n<\/p>\n<p><!--7702c53cdc7f553d94b0bf6d5aab8fe7-->\n<\/p>\n<p><!--e3574f2fad743891a7ec2a9684844b86--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war Ende Juli-Sommer! Bergsteigersommer sogar, denn ich war auf dem Karnischen H\u00f6henweg unterwegs. Es w\u00e4re mein 9. Wandertag geworden und ich hatte nach einem langen Abend mit dem Besitzer des Pl\u00f6ckenhauses und dem Almer von der Tschintemunt-Alm gut geschlafen. 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