{"id":60,"date":"2007-04-27T17:19:10","date_gmt":"2007-04-27T16:19:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einvoll.net\/opa\/?p=60"},"modified":"2011-05-17T17:43:01","modified_gmt":"2011-05-17T15:43:01","slug":"bolognese-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/opa.holzer.work\/?p=60","title":{"rendered":"Bolognese-1"},"content":{"rendered":"<p>Ich kann durchaus verstehen, das es nicht jedermann interessiert, was der kleine Soldat auf dem Weg in den gro\u00dfen Krieg alles erlebte. Ich werde auch sicherlich nicht \u00fcber das ganze Hin und Her berichten, aber ein paar Epis\u00f6dchen sind es meiner bescheidenen Meinung nach wert, dass man sich ihrer entsinnt. Um auch jenen, die damals noch nicht ihre Nase in die Welt gereckt hatten ein wenig von der Zeit in der man lebte und von den Gef\u00fchlen die man dabei hatte, zu erz\u00e4hlen mach ich einen- sehr kurzen- Rundblick  von meinem Standpunkt aus.  Wir sind also jetzt in Bologna  am Ende der Eisenbahnfahrt. Eine Weiterfahrt sei nicht m\u00f6glich, denn die Strecke w\u00e4re zerbombt und wir m\u00fcssten auf die Reparatur warten. Das hei\u00dft, dass von hier bis an die Front, die damals langsam durch Umbrien und die Toscana herauf auf den Apennin zurollte keine heile Eisenbahnlinie mehr in Betrieb war.  Gerade waren die Alliierten in Rom eingezogen. Seit die Alliierten in Italien gelandet waren konnten sie nun von ihrer Basis in Foggia aus, auch Wien aus der Luft angreifen, so dass es nunmehr keine deutsche Stadt mehr gab, die nicht unter Luftangriffen zu leiden hatte. Im Osten war nach der Sommeroffensive der Sowjets der Mittelabschnitt zusammengebrochen und die Katastrophe war noch vernichtender als die in Stalingrad. Der ganze Balkan war ein Partisanenmeer und wie die Soldaten aus der \u00c4g\u00e4is wieder nach Hause kommen sollten war ein offenes R\u00e4tsel. Dazu war man st\u00e4ndig auf die Landung der Alliierten in Frankreich gefasst. Hitler schickte die V-Waffe nach London und die Parteibonzen trompeteten vom Endsieg. Hinter jedem zweiten Gespr\u00e4ch klang der Wunsch durch, doch dem beschissenen Krieg endlich ein Ende zu bereiten und die Hoffnung der zu erwartenden Katastrophe zu entkommen. Die Stimmung der Soldaten war auf dem Nullpunkt gesunken. Es sollte aber noch schlimmer kommen- obwohl sich das kaum einer vorstellen konnte.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu uns: Wir waren 4 Scharfsch\u00fctzen und waren in  der Zeit in der wir zusammenwaren schon recht gute Freunde geworden. Besonders mit dem Jelinek-Franzi verstand ich mich sehr gut. Er war aus einem Gemeindebau in der Linzerstrasse. Wir sollten-bis auf weiteres- in einer Kaserne der italienischen Armee Quartier nehmen. Da trafen wir dann unsere &#8222;Bundesgenossen&#8220;. Das Urteil war schnell gef\u00e4llt. Von weitem war bereits zu erkennen, dass wir mit dieser Hilfe den Krieg sicher nicht gewinnen konnten, denn die waren ja noch weniger als wir gewillt, den Kopf hinzuhalten. Wof\u00fcr auch. Aber es hatte den Vorteil, dass ich mich bereits mit den wichtigsten Worten der fremden Sprache besch\u00e4ftigte. Die Kaserne in Bologna war genau so h\u00e4sslich, wie die Kasernen die ich bei uns kennengelernt hatte. Es gab einen Platz, wo man schlafen konnte- es gab eine K\u00fcche, wo man zu essen bekam. Aber eine Besonderheit hatte die Itaka-Kaserne doch. Die lernte man aber erst kennen, wenn man das Gegessene erst einmal loswerden musste. Am Ende eines langen Ganges waren dazu zwei T\u00fcren an jedem Ende. Trat man durch diese hindurch, dann riss der an mitteleurop\u00e4ische Bequemlichkeit gew\u00f6hnte Bed\u00fcrftige erst einmal die Augen auf, bevor er die Hose herunterriss. In einer verfliesten Mulde waren nur zwei erhabene Trittsteine und dazwischen ein Loch. Es kostete geraume Zeit und \u00dcbung, bis man sich mit dieser Form der Entleerung abfinden konnte.<\/p>\n<p>Sonst gab es nichts zu tun, also auf in die Stadt. Wir strandelten durch die engen Gassen der Altstadt, besuchten w\u00e4hrend eines Fliegeralarmes einen wundersch\u00f6nen Park auf einem H\u00fcgel. Sonst nichts. Und was tun Soldaten, wenn ihnen fad ist? Richtig! Sie gehen ins Puff! Nun war ich zwar nicht mehr ganz unbeleckt von den Erfahrungen der Liebe, hatte ich doch ein M\u00e4dchen in Wien zur\u00fcckgelassen. Aber die k\u00e4ufliche Liebe war doch noch ein Fremdwort f\u00fcr mich.  Gewiss war bei den Soldatengespr\u00e4chen immer wieder davon die Rede gewesen, aber so hautnah war ich doch noch nie dran gewesen- Ich hatte weder Zeit noch Geld daf\u00fcr. Beides war aber nun vorhanden, denn unser Wehrsold war in Lire ausbezahlt worden und Zeit&#8211; och, da hatten wir genug davon. F\u00fcr mich kam dann noch dazu, dass ich mit meinen kaum 19 Jahren ja noch eine Menge kennenzulernen hatte. Und noch dazu, wo ich doch auf dem Weg in den Krieg war. Und da sollte es ja eine Menge geben, die gar nicht bis dorthin gekommen waren, sondern schon auf dem Weg dorthin ins Gras gebissen hatten. Und ohne eine solche Erfahrung, nein das ging nicht, das konnte ich nicht ungenutzt vor\u00fcbergehen lassen. Ehrlich gesagt, allein und aus eigenen Antrieb w\u00e4re ich nie dahin gegangen. Also rottete sich eines sp\u00e4ten Nachmittags eine Runde zusammen- viele \u00e4ltere Soldaten dabei, die auch eine Menge Erfahrung anzubieten hatten. Und die wussten nat\u00fcrlich den Weg, zu einem solchen Etablissement. Vor der engen, dunklen Treppe z\u00f6gerte ich noch. &#8222;Du brauchst nichts zu tun, nur zum Zuschauen!&#8220;<\/p>\n<p>Der Versucher siegte. Ich stieg hinauf und sah zu. Zwei relativ junge Italienerinnen bem\u00fchten sich zuerst umeinander, dann um einen \u00e4lteren Herren. Ohne Erfolg. &#8222;Du m\u00fcde!&#8220; und dann gaben sie es auf. F\u00fcr mich war diese Erfahrung so nachhaltig, dass ich nie in meinem Leben noch einmal der Versuchung unterlegen bin.<\/p>\n<p>Weiter geht es in Bolognese-2\n<\/p>\n<p><!--9d5b1641d363bc9846670db6472e131a-->\n<\/p>\n<p><!--71361f03b4197d9fb767c21dbaaada50-->\n<\/p>\n<p><!--df86cabf8587c122cf36e170cc4d5043-->\n<\/p>\n<p><!--71361f03b4197d9fb767c21dbaaada50-->\n<\/p>\n<p><!--71361f03b4197d9fb767c21dbaaada50-->\n<\/p>\n<p><!--71361f03b4197d9fb767c21dbaaada50--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kann durchaus verstehen, das es nicht jedermann interessiert, was der kleine Soldat auf dem Weg in den gro\u00dfen Krieg alles erlebte. 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