Gedenktage

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In den ersten Novembertagen fallen die Gedenktage über uns her.

Da wäre einmal der Gründungstag der Republik und das Ende der jahrhunderte langen Habsburgermonarchie, dann der 89. Jahrestag der Oktoberrevolution und schliesslich am 9. November noch der Jahrestag der eigentlich nicht zu feiern, sondern zu beklagen ist- die „Reichskristallnacht“. Ich will jetzt nicht die historischen Abläufe bereden, die kann man in jedem x-beliebigen Presseorgan sicher von der einen oder anderen Seite her beleuchtet finden. Ich will mich damit beschäftigen, wie diese „historischen“ Tage auf Menschen von heute wirken und in welchem Licht sie sie sehen.

Da ist einmal der erste. Wenn ich mir überlege, dass ein heute 60jähriger–Geburtsdatum 1946, also nach dem Ende des 2. Völkermordens– wahrscheinlich kaum mehr aus direkter Erzählung oder anders gesagt- von einem Zeitzeugen etwas über diesen Tag erfahren hat, dann kann er es nur entweder aus Büchern, im Geschichtsunterricht oder aus eigenem Wissenstrieb erfahren haben. Er oder sie können nicht einmal ermessen, was die erste Republik war und wie sie zugrunde gerichtet wurde. Also hört oder erlebt man im allgemeinen nur hohles Blabla- aber bedeuten tut es fast gar nix.

Bei der Oktoberrevolution ist das schon ein wenig tiefergehender. Denn wenn das erste Ereignis im wesentlichen nur Zentraleuropa betraf, so war der Oktober 1917 doch ein Tag, der imstande war die Welt zu verändern. Ein Versuch eine neue Gesellschaftsform zu bauen und das betraf und erfasste eben die ganze Welt. Es ist etwa zwei Jahrzehnte her, dass man erkennen musste, dass dieser Versuch in seiner sowjetischen Form im wesentlichen gescheitert ist, in seiner chinesischen Form kann man ihn nur mehr als Manchesterkapitalismus mit eienm fadenscheinigen roten Mäntelchen bezeichnen und wenn ich den Pressemitteilungen über die koreanische Form Glauben schenken darf, dann überkommt mich tiefes Bedauern. Trotzdem hat das kommunistische Regime in der ehemaligen Sowjetunion und in den Volksdemokratien tiefe Spuren hinterlassen, die Auswirkungen auf die Politik unserer Nachbarstaaten hat. Denn der Übergang zur Marktwirtschaft hat nicht für alle Bevölkerungsschichten Verbesserungen gebracht und breite Massen in Polen, in Ungarn, in der Slowakei trauern dem vergangenen Regime nach. Zumindest im ehemaligen Ostblock wirkt also dieser Jahrestag noch nach. Hierzulande eher nicht, denn nach dem Abzug der Sowjetmacht 1955 wurde diese Jahrestages grad noch in der kommunistischen „Volksstimme“ gedacht.

Ganz anders verhält es sich mit dem letzten der Jahrestage. Denn dieser ist–obwohl auch er schon lange zurückliegt immer wieder in den Köpfen präsent. Denn immer wieder stellt sich für alle Menschen -egal welcher Generation sie angehören- das Problem der Menschlichkeit und der Toleranz. Auch da werden nur mehr wenige Augenzeugen erzählen können- und sie werden immer weniger, was da vor sich gegangen ist. Ich selber war da grade 13 Jahre alt und meine Eltern haben aus gutem Grund verhindert, dass ich Augenzeuge wurde. Aber man hat danach so manches erzählt und die ausgebrannte Ruine der Synagoge sprach Bände. Um so mehr erschreckt mich immer wieder der ewige Kampf in Palästina. Und wenn ich mir dazu noch eien frisch gewählten Nationalratsabgeordneten anhören muss wieviel Gutes doch die Hitlerei gebracht hat, dann frag ich mich ernstlich: Werden die Leut nie gscheiter, lernen sie nix aus den Fehlern?

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