Nicht gesucht….

Verfasst von

in

So wie auch jetzt war Adventzeit. Vor 14 Jahren. Und die Weitwandergruppe der ich mich angeschlossen hatte, veranstaltete jedes Jahr zur Adventzeit eine kleine Feier,die auf irgendeiner Hütte stattfand. Und in diesem Jahr hatte ich beschlossen, ebenfalls daran teilzunehmen. Im heurigen Jahr sollte die Naturfreundehütte am Fuss der Rax der Ort dieser Feier sein. Rax hab ich immer schon gerne gehört und das war wahrscheinlich auch der Grund, der mich veranlasste eine solche für mich ungewohnte „Feier“ zu besuchen. War ich doch bisher meistens allein oder nur in ganz kleinen Gruppen von 3-4 Wanderern unterwegs und in diesen meinen vorgeschrittenem Lebensalter hatte ich mit Feiern nix mehr am Hut. Das, dachte ich mir, lag hinter mir. Aber, schaust dir das halt einmal an und packte meinen 2-Tagerucksack.

Als ich am Samstagmorgen die Äuglein öffnete hätte ich sie am liebsten gleich wieder zugemacht, mich noch einmal in die Decke gewickelt und weiter gebüselt. Es regnete, was heisst regnete – es goss! Na ja, jetzt hab ich einmal zugesagt also überwind ich halt meinen inneren Schweinehund und steh auf. Ich red mir ein, dass auf der Rax ohne weiters die Sonne scheinen kann–hab ich ja schon alles erlebt. Also auf, rein in die Bergschuh, den Anorak um und auf zum Südbahnhof. Dort die angenehme Überraschung. In Anbetracht der herrlichen Witterung haten es viele vorgezogen…so wie ich eigentlich wollte. Der Mürzuschlager Eilzug bringt uns nach Payerbach, wo wir fast sofort Anschluss zum Autobus Preiner Gscheid haben. Unser Grüppchen findet leicht Platz, denn heute ist wirklich kein Ausflugswetter. Es regnet noch immer, aber wir Unentwegten wollen es eben genau wissen, wie es auf der Rax ist. Beim Oberen Eggl macht der Bus eine Pause und mich sticht der Hafer. >Ich geh von da aus zu fuss rauf<>geh bist gscheit, bei dem Regen!< Aber ich liess mich nicht abhalten und fand sogar noch Nachahmer, Elfi Ruthner und ihr damaliger Freund, der hagere Christian und zu meiner grossen Freude der von uns allen geschätzte Führer Karl Mor stiegen mit mir aus. Die anderen fuhren aufs Gscheid und gingen von dort zum Waxriegelhaus hinüber. Obwohl es regnete, war die Sicht nicht schlecht und der Weg war im allgemeinen gut markiert. So kamen wir auch recht gut voran. Wie ich es gewohnt war achtete ich auf das Gestein, das mir unter die Füsse kam und in meinem Tourenbuch findet sich folgender Eintrag: "Anfangs Grünschiefer ( Radschiefer ), weiter oben Kalk- vorerst Werfener Schichten" Im Höhersteigen wurde es kälter und der Regen verwandelte sich in Schnee. Ab etwa 1200 m schneit es immer dichter und nun wurde das Wegsuchen wichtig. Die anderen 3 bleiben etwas zurück. Ich kann mich erinnern, dass ich durch eine Waldlücke in das gewaltige Kar der Preiner Schütt sehen konnte und von da an begann es mit Riesenflocken so dicht zu schneien das man kaum mehr ein paar Meter sah. Mit meinen Gefährten verständigte ich mich durch Zurufe und sie waren froh, dass ich den Spürhund machte. Da taucht endlich die Hütte aus dem wilden Geflocke auf. Toni Szuppan, der liebe dicke Toni, steht im Windfang der Hütte und als er mich kommen sieht hat er flugs ein Häferl Jagatee bei der Hand. Ein paar Schluck nur- die Anderen drängen auch schon heran.

Warm und gemütlich war es am Abend in der Hütte. Wir waren natürlich die einzigen Übernachtungsgäste an diesem Wochenende. Das Essen war gut und unsere Damen packten die mitgebrachte Weihnachtsbäckerei auf Teller die herumgereicht wurden. Erika, die solche Feiern immer gestaltet, rezitierte Gedichte aus der eigenen Feder, die Gitarre kam, wir sangen die alten schönen Lieder von der Weihnachtszeit, tranken ein paar Schluck Rotwein und ich fühlte mich wohl wie schon lange nicht. In meinem Tourenbuch steht, dass ich >erst um 11 Uhr schlafen< gegangen bin.

Während der Nacht gab es einen ordentlchen Schneesturm von dem mir aber nur der Hüttenwirt erzählt hat. Ich hab gut geschlafen. Die Gruppe löst sich nun rapid auf. Erika und Fritz haben Verpflichtungen im Alpenverein und verlassen uns noch vor dem Frühstück. Der Grossteil will den Autobus erreichen, der um 10 Uhr vom Gscheid weggeht und bei dem Schnee….. Ich lass mir ein bissel Zeit und Alois hat es auch nicht so eilig. Um 12 Uhr geht vom Oberen Eggl ein Bus nach Payerbach und den schaffen wir bestimmt. Es ist teilweise schon verweht und der Wind ist noch immer böig und saukalt. Als wir dann auf der Strasse sind, geht es flotter. Beim Eggl werden wir mit Hallo empfangen. Unser Gruppenleiter mit seinen Bekannten-die hatte ich vorher nie gesehen- hatten es auch nicht so eilig. Wir nutzten die Gelegenheit Mittag zu essen und dann ging es ab, wieder nach Hause. Und in meinem Tourenbuch steht >recht stimmungsvolle und besinnliche Adventfeier< Und zum Schluss noch>Leider ist dieses Büchlein ein wenig unansehnlich geworden. Es ist ordentlich eingenässt worden. Aber das hebt seien Wert—denk ich mir zumindest<.

Ist irgend etwas auffälliges an dieser Seite? Nein? Mir ist auch nichts aufgefallen und doch ist etwas geschehen…. Ich hatte nichts verloren, also hab ich auch nicht gesucht. Und doch hatte ich etwas gefunden, ich wusste es nur noch nicht.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert