Autor: Walter Holzer

  • Unausweichlich…

    ….unerbittlich, unaufhaltsam rinnt die Zeit. In den Jahren werden die Begräbnisse häufiger an denen man teilnimmt und die Freunde und Bekannten werden immer weniger. Die Lücken werden immer grösser und wie viele sind es, die mich durch ein halbes Leben begleitet haben und fehlen schon, wenn ich in die Runde blicke. Heute traf es mich wieder. Es war ein stilles, einfaches Begräbnis und nur wenige Menschen waren da. Nur der allerengste Familienkreis war gekommen um Abschied zu nehmen.

    Die feierlichen Klnge von Bach’s „Air“ passten so recht in den kargen Schmuck der Aufbahrungshalle und während die Worte des Geistlichen an meinem Ohr vorbeiklangen sah ich auf den Sarg, der einen Körper barg. Mein Blick wandte sich nach innen und vor meinem Auge zogen die Augenblicke vorbei die unser Leben verbunden hatten.

    Es mag so um 58 oder 59 gewesen sein und ich war zu dieser Zeit Fahrverkäufer bei Coca-Cola und zusätzlich zu der 6-Tage-Woche hatte ich Verkäufe übernommen, die Samstag abends oder Sonntag an Sportstätten durchgeführt wurden. Das war ein ganz besonderer Knochenjob, denn wenn ich nachrechne wieviele Colakisten ich wohl über die steilen Stufen des Wiener Stadions oder im Wiener Parkklub hochgeschleppt habe, dann wird mir jetzt noch flau im Magen. Und dazu auch noch die schweren Kühltheken um das Getränk auch mit der richtigen Trinktemperatur an den Mann zu bringen. Das erforderte lange Vorbereitung um beim Anpfiff parat zu sein. Dazu hatten wir pro Theke 10 bis 12 „Läufer“. Sie liefen mit vollen Trägern durch die Sitzreihen, öffneten die Flaschen, gossen das Getränk in Pappbecher und kamen mit Geld und Leerflaschen zurück an die Theke um neue Flaschen zu holen und lieferten gleichzeitig das eingenommene Geld ab. Das musste-besonders während einer Pause- in Wahnsinnstempo vor sich gehen und man brauchte schon gute Nerven um den Stress durchzustehen und ich kann mich da an manche kritische Situation erinnern.

    FRITZ war ein paar jahre älter als ich und zu dieser Zeit Lagerarbeiter bei meiner Firma. Was lag näher als dass er mir schon ab Lager half und als Läufer war er nicht nur einer der fleissigsten, sondern auch einer der ehrlichsten. Am Ende einer solchen Veranstaltung setzten wir uns bei einem Glas Bier zusammen um den eingeheimsten Überschuss redlich zu teilen. Und eines Tages sitzt da beim Fritz seine kleine Tochter und er stellt sie mir vor: „Und das ist die Mutti- die Gunda!“ So lernte ich sie kennen. Fritz hatte sie während des Krieges kennengelernt und nach dem Krieg aus dem heimatlichen Franken nach Wien mitgenommen. So sahen wir uns ab und zu bis… Ja bis ich mich 1961 in die Telefonistin aus unserer Firma verliebte. Es blieb nicht aus, dass ich ihre Eltern kennenlernte und dann auch noch in der näheren und ferneren Verwandtschaft beaugapfelt wurde. Und dann hiess es eines Tages: Wir gehen zum PIPI-Onkel! Und wer war das? Der Fritz mit seiner Gunda! Da haben wir aber Augen gemacht!

    So kam sie in meinen Umkreis, denn wir waren jedes Monat einmal ode zweimal beisammen. Schon wegen des Tarockierens, das Fritz, den Vater von Helga, Helga und mich immer wieder zusammenführte. Während die Trauergäste ihre Litanei murmeln sehe ich ihre lustigen Augen in dem erbosten Gesicht, wenn wir zu wenig ihrer hervorragenden Küche zugesprochen hatten, ich höre das helle Lachen,wenn wir versuchten -meistens vergeblich- ein paar Worte Wiener Dialekt mit ihr zu sprechen. Ich sehe ihr zerquältes Geicht, als sie an der Bahre ihrer Tochter stand. Ich höre das „Bitt für uns“. Ich glaub Gunda für Dich braucht niemand zu bitten, Du warst ein wunderbarer, liebenswerter Mensch.
    Vor 5 Jahren ist Dein Fritz vorausgegangen. Du hast es kaum bemerkt. Dein Geist hatte sich in den Alzheimer-Labyrinthen leise davongeschlichen und du hast uns nicht mehr erkannt.

    Nun liegst Du da. Es ist zu Ende. Soll ich sagen: Es war eine Gnade?

    Ich schäme mich meiner Tränen nicht, während ich dies schreibe.

    Adieu, Gunda! Adieu!

  • ganz kleine Nachtmusik

    Da sitzt Anna Sofie Mutter-als Violinvirtuosin weltbekannt- neben Harald Schmidt auf dem Klavierstockerl. Nach köstlichen, vorbereitendem Diskurs spielt sie die rechte Hand und er- etwas holpriger- die linke Hand. Mozart schrieb dieses kleine Menuett als achtjähriger. War wunderbare Mitternachtsmusik. Wünsch ich mir öfter mit so prominenter Besetzung!

  • Was sagt schon eine Frau

    Ich habe den Sonnenuntergang nicht mehr gesehen

    seit ich mich ans Dunkel der Nacht vergeben habe.

    Ich kann mit dem Regen nicht mehr streiten

    seit meine Tränen sich mit seinen Tropfen vermischen.

    Ich habe meinen Mut, meine Träume und dich verloren

    seitdem ich mich verloren habe.

    Ich kann niemanden um Verzeihung bitten

    weil ich mir selbst nie verzeihen werde.

    Dies steht am Ende eines Buches das ich dieser Tage aus der Hand gelegt habe. Es ist eines der schrecklichsten Bücher, die ich je gelesen habe und ich konnte es nur in Abschnitten bewältigen.

    Es sind die Erlebnisse einer jungen Türkin- in Deutschland aufgewachsen, zwangsverheiratet nach Anatolien und ihr Versuch ein neues Leben zu beginnen. Da spricht eine Frau von tiefster seelischer, geistiger und körperlicher Entwürdigung. Es heisst „Erstickt an Euren Lügen“ und ist von (Psudonym) Inci Y. geschrieben.

    Glaubt mir: Ich sehe heute die hübschen, türkischen Mädchengesichter unter dem Kopftuch und in ihrem geblümten, bodenlangen Rock ein wenig anders als bisher. Ich habe Mitleid mit ihnen, aber alle grossherzigen Spenden der österreichischen Bevölkerung können ihnen nicht helfen. Sie können sich nur selbst befreien von ihren erbärmlichen Machos. Hoffentlich gelingt es ihnen bald. Das würde ihrer Heimat sehr helfen.

  • Ein wunderbares Kind

    …..hatte seinen ersten Geburtstag. Da konnte Opa doch wirklich nicht am Schreibtisch verborgen bleiben. ich hoffe mich hat niemand vermisst. Und wenn auch schon. Man wird einsehen, dass es viiiiiieeel wichtigeres gibt. Aber ich komme wieder.

  • Nicht gesucht….

    So wie auch jetzt war Adventzeit. Vor 14 Jahren. Und die Weitwandergruppe der ich mich angeschlossen hatte, veranstaltete jedes Jahr zur Adventzeit eine kleine Feier,die auf irgendeiner Hütte stattfand. Und in diesem Jahr hatte ich beschlossen, ebenfalls daran teilzunehmen. Im heurigen Jahr sollte die Naturfreundehütte am Fuss der Rax der Ort dieser Feier sein. Rax hab ich immer schon gerne gehört und das war wahrscheinlich auch der Grund, der mich veranlasste eine solche für mich ungewohnte „Feier“ zu besuchen. War ich doch bisher meistens allein oder nur in ganz kleinen Gruppen von 3-4 Wanderern unterwegs und in diesen meinen vorgeschrittenem Lebensalter hatte ich mit Feiern nix mehr am Hut. Das, dachte ich mir, lag hinter mir. Aber, schaust dir das halt einmal an und packte meinen 2-Tagerucksack.

    Als ich am Samstagmorgen die Äuglein öffnete hätte ich sie am liebsten gleich wieder zugemacht, mich noch einmal in die Decke gewickelt und weiter gebüselt. Es regnete, was heisst regnete – es goss! Na ja, jetzt hab ich einmal zugesagt also überwind ich halt meinen inneren Schweinehund und steh auf. Ich red mir ein, dass auf der Rax ohne weiters die Sonne scheinen kann–hab ich ja schon alles erlebt. Also auf, rein in die Bergschuh, den Anorak um und auf zum Südbahnhof. Dort die angenehme Überraschung. In Anbetracht der herrlichen Witterung haten es viele vorgezogen…so wie ich eigentlich wollte. Der Mürzuschlager Eilzug bringt uns nach Payerbach, wo wir fast sofort Anschluss zum Autobus Preiner Gscheid haben. Unser Grüppchen findet leicht Platz, denn heute ist wirklich kein Ausflugswetter. Es regnet noch immer, aber wir Unentwegten wollen es eben genau wissen, wie es auf der Rax ist. Beim Oberen Eggl macht der Bus eine Pause und mich sticht der Hafer. >Ich geh von da aus zu fuss rauf<>geh bist gscheit, bei dem Regen!< Aber ich liess mich nicht abhalten und fand sogar noch Nachahmer, Elfi Ruthner und ihr damaliger Freund, der hagere Christian und zu meiner grossen Freude der von uns allen geschätzte Führer Karl Mor stiegen mit mir aus. Die anderen fuhren aufs Gscheid und gingen von dort zum Waxriegelhaus hinüber. Obwohl es regnete, war die Sicht nicht schlecht und der Weg war im allgemeinen gut markiert. So kamen wir auch recht gut voran. Wie ich es gewohnt war achtete ich auf das Gestein, das mir unter die Füsse kam und in meinem Tourenbuch findet sich folgender Eintrag: "Anfangs Grünschiefer ( Radschiefer ), weiter oben Kalk- vorerst Werfener Schichten" Im Höhersteigen wurde es kälter und der Regen verwandelte sich in Schnee. Ab etwa 1200 m schneit es immer dichter und nun wurde das Wegsuchen wichtig. Die anderen 3 bleiben etwas zurück. Ich kann mich erinnern, dass ich durch eine Waldlücke in das gewaltige Kar der Preiner Schütt sehen konnte und von da an begann es mit Riesenflocken so dicht zu schneien das man kaum mehr ein paar Meter sah. Mit meinen Gefährten verständigte ich mich durch Zurufe und sie waren froh, dass ich den Spürhund machte. Da taucht endlich die Hütte aus dem wilden Geflocke auf. Toni Szuppan, der liebe dicke Toni, steht im Windfang der Hütte und als er mich kommen sieht hat er flugs ein Häferl Jagatee bei der Hand. Ein paar Schluck nur- die Anderen drängen auch schon heran.

    Warm und gemütlich war es am Abend in der Hütte. Wir waren natürlich die einzigen Übernachtungsgäste an diesem Wochenende. Das Essen war gut und unsere Damen packten die mitgebrachte Weihnachtsbäckerei auf Teller die herumgereicht wurden. Erika, die solche Feiern immer gestaltet, rezitierte Gedichte aus der eigenen Feder, die Gitarre kam, wir sangen die alten schönen Lieder von der Weihnachtszeit, tranken ein paar Schluck Rotwein und ich fühlte mich wohl wie schon lange nicht. In meinem Tourenbuch steht, dass ich >erst um 11 Uhr schlafen< gegangen bin.

    Während der Nacht gab es einen ordentlchen Schneesturm von dem mir aber nur der Hüttenwirt erzählt hat. Ich hab gut geschlafen. Die Gruppe löst sich nun rapid auf. Erika und Fritz haben Verpflichtungen im Alpenverein und verlassen uns noch vor dem Frühstück. Der Grossteil will den Autobus erreichen, der um 10 Uhr vom Gscheid weggeht und bei dem Schnee….. Ich lass mir ein bissel Zeit und Alois hat es auch nicht so eilig. Um 12 Uhr geht vom Oberen Eggl ein Bus nach Payerbach und den schaffen wir bestimmt. Es ist teilweise schon verweht und der Wind ist noch immer böig und saukalt. Als wir dann auf der Strasse sind, geht es flotter. Beim Eggl werden wir mit Hallo empfangen. Unser Gruppenleiter mit seinen Bekannten-die hatte ich vorher nie gesehen- hatten es auch nicht so eilig. Wir nutzten die Gelegenheit Mittag zu essen und dann ging es ab, wieder nach Hause. Und in meinem Tourenbuch steht >recht stimmungsvolle und besinnliche Adventfeier< Und zum Schluss noch>Leider ist dieses Büchlein ein wenig unansehnlich geworden. Es ist ordentlich eingenässt worden. Aber das hebt seien Wert—denk ich mir zumindest<.

    Ist irgend etwas auffälliges an dieser Seite? Nein? Mir ist auch nichts aufgefallen und doch ist etwas geschehen…. Ich hatte nichts verloren, also hab ich auch nicht gesucht. Und doch hatte ich etwas gefunden, ich wusste es nur noch nicht.

  • Mensch sein

    In Italien dichtet man auf l’uomo

    das Gotteshaus il duomo.

    In Frankreich passt zu l`hommes

    sinnigerweis das Wörtchen pommes.

    Shakespeares Erben reimen auf men

    dann und wann auch then und when.

    Nur bei uns der Dichter schwitzt

    und kein Reimeschmieden nützt

    bei uns fügt nur Mensch zum Menschen sich…

    Gräulich, nicht wahr!

    Da verlier ich mich lieber gleich

    im weiten, weiten Prosareich.

    Papa und Servus!

  • Zum Wiederhören

    Late night music im SWR: TINA DICO. Die Band gibt einen fast minimalistischen Sound wieder. Er wird vornehmlich durch Leadgitarre, zeitweise ganz zarte Drums getragen und von einer unerwartet guten Stimme begleitet. Ausserdem überrascht er durch mancherlei Variationen Besonders gut: In The Red.

  • spät abends

    Gestern nacht bei Sandra Maischberger: Debatte über das finanzielle Risiko der Pharmakonzerne bei der Entwicklung von Heilmitteln für selten auftretende Krankheiten. In der Diskussion kam aber auch zur Sprache die Unterbrechung der Schwangerschaft bei erkannter geistiger oder körperlicher Behinderung des Embryo. Wie schön, dass nun auch von katholischer Seite verstanden wird, dass nicht nur den Eltern sondern auch dem Kind zugemutet wird mit einer solchen Belastung zu leben. Und dass es in der Verantwortung jedes Paares liegt, die richtige Entscheidung zu treffen.

    Wie schade, dass die Sendezeit dieser überaus sympathischen und klugen Moderatorin so spät angesetzt ist, dass ihre Sendungen im besten Fall ein Minderheitenprogramm daratellen. Ob da nicht doch was zu ändern wäre?

  • Da schau…

    in dem ORF-Nachrichtenauszug erscheint heute eine Meldung, wonach die USA derzeit als das schlimste Reiseland bezeichnet werden. Massgebend für diese Qualifikation wäre das schlechte und rüde Benehmen von Grenzbeamten. Reisende fürchten sie mehr als Terroristen. Bereits eine unkluge Bemerkung und man wird in Gewahrsam genommen.

    Weit ist es gekommen mit dem Land der Freiheit.

    Und dabei soll die Zahl der terroristischen Anschläge auf das Dreifache zugenommen haben-weltweit. Die Gründ dafür wären Armut, Verfolgung und Unterdrückung. Und nicht nur der fanatische Islamismus.

  • „Zigeuner?“

    Es wird sicher Menschen aus meinem Bekanntenkreis geben, die mich als unverbesserlichen Rassisten einstufen. Das liegt vielleicht daran, dass man mir mancherorts übelnimmt unsere gewachsene Volkskultur vehement zu verteidigen. Dass mir daran gelegen ist deutsch oder besser noch österreichisch zu reden und nicht jenes greuliche Mischmasch das man allenfalls als deuglisch bezeichnen kann. Dazu kommt noch, dass durch das Fernsehen eine Sprache verbreitet wird, die durch die Umsetzung amerikanischer Filme hervorgerufen wird. Ein besondere Verbreitung hat da die Floskel „tschüss“ erfahren. Mir stellen sich dabei immer die Nackenhaare auf, wenn ich das höre. Auf gut österreichisch heisst das immer noch „Servus“ oder „Pfiat Eich“. Klingt in meinen Ohren wesentlich besser.

    Dazu kommt, dass ich in meinem Leben schon so oft in alle möglichen Ecken gestellt wurde und die ganze Palette politischer Farbschattierungen an meinen Kleidern zu sehen ist. Da war ich schon Kommunist und auch wieder Nazi,war genau so genauso Kerzlschlicker als auch Heide etcetera und so….

    Dabei hab ich immer wieder nur versucht einen vernünftigen Weg aufzuzeigen, der für mehr als nur eine Gruppe denkbar ist. Natürlich habe auch ich nicht immer recht gehabt und irren ist ja bekanntlich menschlich. ich habe mich aber auch nie gescheut zuzugeben, dass ich falsch lag und andere Meinungen besser die Sache trafen.

    Das aber war nur die lange Vorrede für den eigentlichen Grund des Beitrages. Im heutigen Mittagsjournal des ORF wurde die Meldung gebracht, dass Wien zur Welthauptstadt der Sinti und Romakultur erkoren wurde. Warum denn ausgerechnet Wien wurde der Interviewte gefragt. Und er antwortete, „weil Wien eben grade so multi-kulti“ wäre.

    Da höre ich von allen möglichen Seiten Klagen darüber, dass die Bevölkerung hierzulande so überaus fremdenfeindlich eingestellt wäre und dann sagt ein Vertreter von Menschen die nirgends auf der Welt sonst eine Heimstatt gefunden haben, sie wollten hier ihr Zentrum haben.

    Aus meiner Sicht kann ich nur einen ganz kurzen Kommentar geben. Ja, kommt her– erzählt uns von eurem Leben, von der Qual eurer Verfolgung, von dem Bemühen um Integration und der Hoffnung auf eine Zukunft im Konzert der Nationen. Lasst uns hören eure wunderschönen Lieder, erzählt uns eure Märchen und Sagen. Ja, ich möchte mehr wissen von Euch und mit mit hoffentlich viele andere.