Die Nase

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Meine Nase ist ein eigenwilliger und recht

empfindlicher Körperteil. Ich kann mich nicht beklagen über ihr Aussehen. Sie ist nicht zu gross, dass sie mich je beim küssen gestört hätte. Sie ist auch nicht zu klein für meine Körpergrösse. Auch ihre Form entspricht der in unseren Landen üblichen griechisch-böhmischen Mischung. Nein, es ist nicht ihr Aussehen, sondern ihr manchmal extremes Missverhalten. Sie blutet sehr leicht. Bereits als Kind passierte mir, dass ich mein Gesicht nach dem Waschen mit blutender Nase erhob. Meine Eltern konsultierten einmal den Arzt und der stellte fest, dass die Blutgefässe der Nasenscheidewand sehr seicht liegen und ich des öfteren damit zu kämpfen haben werde. Er hatte recht– das ist mit treu geblieben. Manchmal war es sehr arg und ich erinnere mich an Weihnachten 1985. Kurz vorher war meine Ehe zerbrochen und ich war aus dem gemeinsamen Heim ausgezogen. Das hatte mich schon sehr getroffen und ich war zu dieser Zeit am ehesten in der Whiskyflasche anzutreffen. Das hatte enorme Auswirkungen auf die eben erwähnte Nase. Der Christtag war schrecklich, das Bluten war nicht zu stoppen und so entschloss ich mich spät nachts das Spital aufzusuchen. Nachdem der Arzt seine erfolgreiche Behandlung beendet hatte, fragte er mich ob ich trinke. Wahrheitsgemäss antwortete ich: „Ja, was grad so geht!“ Daraufhin nahm er meine Hand, sah mir ernst ins Gesicht und sagte : Hörns besser auf damit. Es könnt nämlich sein, dass man das einmal nimmer bremsen kann!“

Am nächsten Tag machte ich wie üblich meine Arbeit und als ich nach Hause kam, sah ich die noch halbvolle Whiskyflasche stehen. Ich streckte nicht die Hand danach aus, sondern begann nachzudenken. Warum sollte ich mich aufgeben? Warum sollte ich in Selbstmitleid und Alkohol versinken? Warum sollte das Leben nicht auch für mich noch ein paar schöne Seiten hergeben. Ich war jetzt sechzig, war mein ganzes Leben von Frauen umsorgt, gehändelt worden, war unselbständig bis zum geht nicht mehr. Beim Nachdenken packte mich der Ehrgeiz. . Mein Entschluss stand fest und ich stürzte mich in das Abenteuer neues Leben.

Anfangs brannte das Teewasse an und Eier waren so schwer weichzukochen, ich verbrannte mich am Bügeleisen und sortierte die Wäsche falsch in die Maschine. Die Rückschläge hinderten mich, aber sie verhinderten nicht, dass aus mir ein ganz passabler Hausmann wurde. Und mit der Zeit kam der Stolz, dass ich mich emanzipert habe, dass ich selber über alle meine Lebensäusserungen frei entscheiden kann. War ich nach der Trennung bestrebt gewesen möglichst weit weg von der alten Heimat zu wohnen kehrte ich wieder zurück nach Favoriten.

Warum ich das alles schreibe?

Es hat wieder einmal angefangen mit der Bluterei. Am vergangenen Montag beim Arzt, Mittwoch wieder und er glaubte es könnte vorbei sein. Und am Sonntag morgen neuerliches Bluten und es war nicht und nicht zu stoppen. Aber diesmal bitte ohne Whiskyflasche, denn es gibt kaum Alkohol zu Hause.

Es war so arg, dass mir am Abend wieder nur der Notarzt helfen konnte und der brachte mich mit der Ambulanz ins Spital. Da war nachdem man mir einen Eiskragen umglegt hatte eine junge Ärztin. Ich vermute, sie hat zum erstenmal Nachtdienst gemacht. Man konnte es erkennen an ihrem fast ängstlichen Gehabe, an der Unsicherheit mit der sie mit den Geräten umging. Zu ihrer Erleichterung rauschte mit wehendem Mantel der Stationsarzt vorbei, wies sie kurz an, wie und wo die Kaustik anzusetzen wäre. Danach wieder diese Unsicherheiten, denn jetzt stand auch noch die erfahrene Schwester daneben. Soll sie den Brenner mit der Rechten? Oder doch mit der linken Hand? Mir tat sie fast leid, ich konnte mitfühlen mit ihr. Normalerweise reagiert ein Patient auf die Art, dass er Angst bekommt. Nicht so ich– am liebsten hätte ich ihr zugeredet.< Komm, trau dich,du kannst das, wozu hast du solange gelernt, du schaffst das>
es hat zu bluten aufgehört, dafür rinnt Rotz und Wsser so arg, dass ich ohne Taschentuch vor dem Gesicht keinen Schritt tun kann. Daher die kleine Pause.

Aber mir ist bewusst, dass ich Vertrauen zu den Menschen habe. Auch unter schwierigen Bedingungen. Ich glaube einfach daran , dass sich, nicht jeder, aber viele bemühen, das beste zu geben.

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