Nicht unerwähnt

bleiben sollte eine von den wenigen guten Sonntagvormittagsendungen des ORF. Ehe ich zu den Sportübertragungen von Kitzbühel schaltete, sah ich noch bei ORF 2 „vorüber“. Und da erklang die klare, reine Barockmusik von Vivaldi. Aber nicht nur das, die Stimme von Cecilia Bartoli machte diese Minuten zu einem echten Erlebnis. Wie diese Sängerin es versteht mit nur einer kleinen Veränderung der Lippenspannung den Tönen, die ihrer Kehle entströmen eine derartige emotionale Steigerung zu verleihen ist wirklich sensationell. Ich kenne sie nun seit beinahe sechzehn Jahren, als sie noch ganz „neu“ auf der Fernsehszene war. Aber sie hat in dieser Zeit eine Entwicklung durchgemacht, die sie zu einer der besten Mezzosopranistinnen und Liedsängerinnen der Gegenwart werden liessen. Welche Wohltat diese Klänge zu hören in der Dekadenz dieser materialistischen Zeit.

Kommentare

2 Kommentare zu „Nicht unerwähnt“

  1. Avatar von Samuel

    Lieber Opa Holzer! Jetzt hab ich endlich deine Website gefunden – das erste das mir aufgefallen ist – du schreibst wunderbar!! Mach weiter so, deine Artikel sind wirklich lesenswert! Über die Dekadenz könnte man einen eigenen Artikel verfassen. Wie erkennt man wohl eine Dekadenz? Sie beschreibt den Niedergang, von etwas das den Zenit des Optimalen (Besten) überschritten hat. Es kommt vom lateinischen cadere = fallen – man fällt hinunter, ohne Netz. Ich glaube Dekadenz hat was mit Sättigung zu tun und damit blicke ich nicht nur auf die fetten römischen Senatoren und Cäsaren vor dem Untergang, denn auch das Römische Reich hatte das Problem der Dekadenz, sondern vor allem in die heutige Zeit. Ist das Problem um Airbus auch ein Dekadenzproblem? Mit Geld volgestopfte Manager die am Zenit ihrer Karriere stehen wurden vielleicht dekadent. Man schaue in die Wirtschaft, Politik, Kultur und frage sich einfach die selbe Frage: Stillstand oder Fortschritt? Denn Dekadenz bedeutet nicht Rückschritt als solcher, sondern Stillstand der den Rückschritt zur Folge hat. Das ist das gemeine daran – man erkennt sie nicht, die Dekadenz. Eine Kultur bleibt stehen und verfällt. Sie sieht andere Kulturen, wie China, die bombastisch aufblühen, man verfällt in dekadente Ohmacht. Dekadenz bedeutet, dass wir alles haben was wir brauchen, dass wir noch mehr wollen als wir können, dass wir nichts von dem loslassen wollen, dass wir mit einem vollen Schiff untergehen werden, besessen wie der Golem nach dem Ring. Vielleicht auch nicht, vielleicht lernt der Mensch ja endlich aus den Fehlern der Vergangenheit – aber das ist wohl ein anderer Artikel …

    Wie auch immer, ich bin zurück und würde mich freuen auch dich und Ingeborg wieder mal zu sehen. Vielleicht mal alle gemeinsam bei Familie Holzer? Bussi

  2. Avatar von Walter Holzer

    Danke Sammi für Deine Auseinandersetzung mit meinem kleinen Beitrag. Ich schreibe manchmal betont provokant um ein wenig Widerspruch zu erzeugen. Diesmal war es das Wort Dekadenz, welches ich verwandte um eine allseits im Absteigen begriffene Kultur zu definieren. Du siehst das richtig, wenn du es im Sinne von Sättigung verstehst. Oswald Spengler hat es in „Der Untergang des Abendlandes“ bereits vorausgesagt, aber nicht den Kern der Sache getroffen. Versuche einmal von Arnold Toynbee “ A Study of History „zu bekommen. Das müsste im englischsprachigen Raum relativ leicht sein. Wenn Du es auf Deutsch in Kurzfassung anschauen willst, kann ich es dir gerne leihen. Da steht eine Menge von klar erfassbaren Gegebenheiten über den Aufstieg und den Verfall der Kulturen drinnen.
    In der heutigen Zeit beginnt die Dekadenz politisch mit Watergate und dem Versagen der USA in Vietnam. Es ist nicht eigentlich der Stillstand– den gibt es ja gar nicht. Es ist der Kulminationspunkt, von dem an es nur den Abstieg gibt. Er ist daran erkenntlich, dass es zwar immer noch materiellen Fortschritt in grossen Teilen der Erde gibt, dass man aber die entscheidenden Probleme nicht in den Griff bekommt. Und eben an der Unfähigkeit Probleme zu lösen , daran erkennt man die Dekadenz. Und sie ist universell, global wenn Du willst. Denn auch die Tigerstaaten- allen voran China- sind nicht im entferntesten imstande ihre Probleme zu lösen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert