Gestern nacht flackerte eine Kerze in meiner Stube. Sie flackerte zum Gedenken an einen Geburtstag und einen Todestag. sie sollte mich an einen der ungewöhnlichsten Menschen erinnern, die ich je kennengelernt hatte. Leider wurde mir diese Gnade erst spät gewährt.
Am 28. März 1933 wurde Otto Alfred Maria Birke geboren und das geschah in Braunau- nein nicht in jenem am Inn, sondern in einem kleinen Städtchen am Ostausläufer des Riesengebirges. Dort wo Böhmen schon fast nach Schlesien hinüberschaut und wo die Menschen einen Dialekt sprechen, den man hierzulande kaum versteht.
Er teilte das Geschick mit den vielen, die seine Sprache sprachen. 1946 wurde er ausgesiedelt. Seine Familie kam nach Burghausen, einer schönen kleinen Stadt an der Salzach- unmittelbar an der österreichischen Grenze. Er hatte Glück im Unglück, denn in einem dort ansässigen Chemiewerk bekam er eine Lehrlingsausbildung als Schlosser. Und er blieb diesem Werk sein ganzes Leben bis zur Pensionierung verbunden, arbeitete dort als Mess- und Regelmechaniker das ganze liebe, lange Jahr lang, hielt seinem Werk die Treue.
Aber kaum gab es einen Funken Freizeit war der Otto nicht zu halten und war weg und sein Ziele waren weit gestreut und verteilten sich über ganz Europa und sogar ein bisserl drüber hinaus. 1953 hat er geheiratet und bald darauf gab es Nachwuchs. Ein Sohn und er hieß Uwe. Die Liste seiner Abenteuer- und Freizeitbeschäftigungen ist so umfangreich, dass ich sie meinen Lesern nicht zumute. Aber er hat uns selbst die schönste Erinnerung an ihn hinterlassen: Er hat in zwei Büchern über seine Erlebnisse berichtet und ich muss sagen- er war ein sehr guter Erzähler. 1965 gab es noch einmal Nachwuchs: Ein Töchterchen Alexandra war geboren. Wie Katharina seine Frau dieses Abenteuerleben verkraftet hat, verdient meine Bewunderung, denn sie trug diese Familie und nicht nur sie, sondern ganz gewiss auch ihn. Denn irgendwie blieb der Riesenlackel doch immer ein Kind.
Wie er es geschafft hat ohne Kenntnis einer Fremdsprache durch alle diese Länder zu kommen wird nur erklärlich, wenn man sich das offene, ehrliche Gesicht und die lächelnden Augen ins Gedächtnis ruft. Nach einem Schlaganfall wurde seine Beweglichkeit immer mehr eingeschränkt und das verkraftete er schlecht. Einen Tag vor seinem 72. Geburtstag hatte er genug und ging.
Ehrensache bei seiner Einsegnung zu sein, Ehrensache an seinem Grab zu stehen. Aber es war wohl halb Bayern das da den Friedhof von Burghausen zu klein werden ließ.
Wenn mich der Fährmann einst über den Fluss des Vergessens rudert, dann wirst Du am anderen Ufer stehen mitten unter den vielen Freunden Deines Lebens. Und Du wirst mir ein Glas reichen- es muss ja kein Grappa sein. Tiroler Roter schmeckt doch auch köstlich!
Pfiat Di, Otto, bis bald!
Schreibe einen Kommentar