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  • Ein Schritt vorwärts

    Menschen, die es eilig haben sollten diesen Beitrag lieber links liegen lassen. Es wird nämlich eine längere Geschichte. Eine Neujahrgeschichte.

    Für Soldaten sind Weihnachtsfeiertage eher traurige Tage. Besonders in Kriegszeiten, wo man sowieso schon nichts zu lachen hat. Und noch dazu in einer Gegend in der man nicht besonders erbaut war, wenn man Soldaten der Besatzungsmacht sah. So war es auch zur Jahreswende von 1943 auf 1944 nahe der slowakischen Grenze in einem Landstädtchen das man damals Ungarisch-Hradisch nannte. Unter diesem Namen findet man es heute nicht mehr auf der Landkarte, denn es hat wieder den Namen angenommen, mit dem es die Einheimischen schon immer nannten: Uherske Hradiste mit zwei Hatscheks auf den beiden s, die man in der deutschen Schreibmaschinentastatur vergeblich sucht. Der Kontakt zur Zivilbevölkerung war minimal und auch von der feldgrauen Obrigkeit nicht gerne gesehen. Ein grosser Platz mit Kirche, ein paar Gasthäuser und eine gute Konditorei, die auch von Wehrmachtsangehörigen besucht wurde, denn dort gab es -markenfrei- noch köstliche Backwaren. Sie waren auch die einzigen Berührungspunkte mit der mährischen Bevölkerung. Am Nordwestende des Städtchens befand sich eine grosse Kaserne noch aus der Zeit als das Land sein eigenes Militär hatte und da waren zwei oder sogar drei Infanterieeinheiten einquartiert, die dort zum Einsatz an der Front vorbereitet wurden. das ganze hiess sich Marschkompanie. Zweimal am Tag Gefechtsdienst, Wache schieben und wenn man dienstfrei hatte Gasthaus oder Konditorei. Wegen der Feiertage reduzierte sich am heiligen Abend und am Christtag

    der Gefechtsdienst auf einmal rumkriechen im schlammigen Gelände. In den muffigen schlecht geheizten Stuben dufteten Weihnachtszweige mit Kerzen dran und die Marketenderei ergoss über das zukünftige Kanonenfutter eine ausserordentliche Zuteilung von Alkoholika und Rauchwaren. Der grösste Teil des Stammpersonals- Offiziere und Unteroffiziere- hatten Weihnachtsurlaub erhalten und der Umgangston war etwas weniger rauh und ordinär. Trotzdem hiess es immer um 22 Uhr: Zapfenstreich und in die Falle. Aber am Sylvesterabend gab es neuerliche Gaben von der Marketenderei und es wurde durch den Offizier vom Dienst beim abendlichen „Appell“ verlautbart, dass erst um 2 Uhr früh „Licht aus“ befohlen wird. Damit wir das neue Jahr auch richtig begrüssen konnten. Für viele das letzte Neujahr in diesem Leben, aber das wussten sie besser nicht. Die allgemeine Fröhlichkeit war überwältigend und man ging mit einem Glas oder einer Flasche in der Hand von Freund zu Freund um mit ihm anzustossen. Gar mancher hatte etwas zuviel gesoffen und am nächsten Morgen pfiff der Unteroffizier vom Dienst- der meistens nur ein Gefreiter war- mitleidlos um 6 Uhr früh: „Aufstehen“. Was bedeutete, dass die Feiertage vorbei waren und der triste Kasernenalltag wieder eingekehrt war.

    Als die Kompanie in der oft geübten Ordnung zum Morgenappell angetreten war schritt der OvD durch die Reihen der teilweise noch schlaftrunkenen Gestalten. An seinem mokanten Grinsen konnte man erkennen, dass es ihm richtig Freude bereitete, den müden Figuren einen schönen, ordentlichen Gefechtsdienst zu verpassen damit sie wieder Lebensgeister bekommen. Er war noch recht jung- vielleicht 24 Jahre alt oder vielleicht sogar noch ein Jahr jünger. Er stammte aus Ostpreussen und war allseits unbeliebt, weil er ein ordentlicher Schinder war. Er hatte die gesamten Weihnachtsfeiertage in der Kaserne verbracht und von Feiertagsstimmung war bei ihm wirklich nichts mehr zu bemerken. Nachdem er beim Durchschreiten da oder dort Unregelmässigkeiten der Kleidung bemängelt, mehr aber noch Unkorrektheiten der Haltung kritisiert hatte, baute er sich vor uns auf und schmetterte: „Wer noch nicht richtig ausgeschlafen ist- ein Schritt vortreten“. Die Kompanie stand wie eine Mauer. Vom Gangaufwaschen bis zum Latrinensäubern war alles zu erwarten, wenn man sich da meldete- nein, da war der Gefechtsdienst schon noch besser. Aber da – was war das: Da trat doch tatsächlich der Lange aus dem ersten Glied vor. Na, den erwartete was. Der Oberleutnant stiefelte heran, sah dem Schützen A…. scharf ins Gesicht: „Sooo, Sie sind also noch schläfrig!“ Der Schütze erwartete nun seine Strafe.

    Nach einem „Jawoll, Herr Oberleutnant“, drehte der Offizier um, trat einen Schritt zurück und sagte in mildem, versöhnlichen Ton:“ Na, dann gehn Sie auf ihre Stube, legen sich hin und schlafen bis Mittag“.

    Der Schütze tat wie ihm befohlen unter den bewundernden Blicken, sowohl der Unteroffiziere, aber noch mehr seiner Kameraden, die zum Gefechtsdienst ausrückten. Aber während er sich seiner Uniform entledigte, um in sein Lager zu klettern und dem Befehl Folge zu leisten dachte er: „Er ist trotzdem ein Arschloch- ein sturer ostpreussischer Kommissknopf“.

    Damit wäre die Geschichte eigentlich erzählt. Abr der Schritt vorwärts hatte Folgen. Abgesehen davon, dass die Unteroffiziere nicht mehr so genau die Wäschekanten im Spind prüften und die Falten der Decke auf seiner Liegestatt übersahen, wurde er nicht mehr zum Stubendienst befohlen und die Kameraden machten gerne Platz, wenn er sich zu ihnen am Esstisch gesellte und Kaffeholen musste er auch nicht mehr. Als der Oberleutnant ein paar Tage später wieder Dienst hatte, blieb er vor dem Schützen beim Morgenappell stehen:“ Sie melden sich nach dem Wegtreten in der Schreibstube“—„Heiliger Bimbam, was hab ich denn angestellt, dass ich zu den Schreibhengsten muss“. Wenige Minuten später hatte der Schütze einen Marschbefehl in der Hand, der ihn zu einem Schilehrgang auf die Rax befahl. Juchu! Das war ja fast wie Heimaturlaub- aber auf jeden Fall weg von der öden Kaserne und ihrem noch öderen Drill. Der Schütze war in seinem Leben noch nie auf Schiern gestanden und es waren ereignisreiche Tage, die er auf dem Karl-Ludwighaus verlebte. Man lernte ihm, wie er sich auf Schiern durch den russischen Winter schlagen konnte. Mit fadem Gefühl gliederte sich der Schütze wieder in den Kasernenbetrieb ein. Der Oberleutnant begrüsste ihn mit einem knappen „Aha, auch wieder da“. Es möge vielleicht eine Woche später gewesen sein, da blieb der Oberleutnant wieder vor dem Schützen stehen. Der dachte:“Na, jetzt hat er den Bericht über mein Verhalten auf dem Skikurs bekommen. Und berühmt bin ich ja dort wirklich nicht geworden!“ Aber nein! „Sie haben doch in Ihrer Ausbildungszeit in Brünn an einem Preisschiessen teilgenommen und einen Preis gewonnen!“-„Jawoll, Herr Oberleutnant“. Wenig später sass ich auf der Bahn mit einem Marschbefehl zu einem Schützenlehrgang in Bruck an der Leitha im Soldbuch. Juchu- schon wieder Heimaturlaub. Diesmal waren es gleich sechs Wochen und jedes Wochenende daheim bei Mutti.

    Aber auch diese Zeit ging vorbei und ich musste zurück zur Ersatzkompanie. Die Kaserne war leerer geworden, denn gut die Hälfte war bereits auf dem Weg in die Menschenvernichtung. Meine Stubenkameraden waren noch da und ja- der Oberleutnant auch. Aber man rechnete täglich damit, dass der Marschbefehl an die Ostfront kommen werde. Man wird es nicht glauben, aber die Geschichte wiederholt sich noch einmal. Der Oberleutnant schickte den Schützen noch einmal in die Schreibstube.“ Weil Sie so gute Ergebnisse beim Schützenlehrgang hatten“ schnarrte er. Diesmal war es der Scharfschützenlehrgang im gleichen Ort wie vorhin. Wieder Urlaub und zu Hause bei Mutters Kochtöpfen. Dazu beim gemütlichsten Verein den es in der deutschen Wehrmacht wohl gab. Nur ein Umstand sei genannt: Es war verpönt im Gleichschritt zu gehen und das Gewehr wurde so getragen, wie es die Jäger tragen.

    Als der Schütze nach neuerlichen sechs wochen wieder zu seiner Kaserne zurückkehrte, war die Kaserne fast leer. Nur die Schreibstube war noch da und bei ihr ein Marschbefehl zum Ausrüstungslager der Scharfschützen in Payerbach. Den Oberleutnant hat der Schütze nie wieder gesehen.

    Kann sein, dass er im Gesicht des jungen Soldaten den Mut zum Risiko gelesen hat, den Mut einen Schritt zutun, den niemand sonst tut. Dinge, die der junge Soldat noch lange nicht erkannt hatte und die er sich erst mühsam selbst erklären musste. Es kann sein, dass der Oberleutnant den Scheisskrieg überlebt hat und auf der militärischen Stufenleiter hinaufgeklettert ist. Kann sein, dass er irgendwo in den Wäldern oder Sümpfen Russlands geblieben ist. Kann sein, dass er gar kein so sturer, ostpreussischer Kommisknopf war. Kann sein, dass er nie einen Orden bekommen hat. Jetzt bekommt er einen:

    Danke, Herr Oberleutnant Schilhavsky

    Ich sagte ja- es ist eine lange Geschichte und wer glaubt, dass sie gut ausgedacht ist- der irrt sich.

  • Unausweichlich…

    ….unerbittlich, unaufhaltsam rinnt die Zeit. In den Jahren werden die Begräbnisse häufiger an denen man teilnimmt und die Freunde und Bekannten werden immer weniger. Die Lücken werden immer grösser und wie viele sind es, die mich durch ein halbes Leben begleitet haben und fehlen schon, wenn ich in die Runde blicke. Heute traf es mich wieder. Es war ein stilles, einfaches Begräbnis und nur wenige Menschen waren da. Nur der allerengste Familienkreis war gekommen um Abschied zu nehmen.

    Die feierlichen Klnge von Bach’s „Air“ passten so recht in den kargen Schmuck der Aufbahrungshalle und während die Worte des Geistlichen an meinem Ohr vorbeiklangen sah ich auf den Sarg, der einen Körper barg. Mein Blick wandte sich nach innen und vor meinem Auge zogen die Augenblicke vorbei die unser Leben verbunden hatten.

    Es mag so um 58 oder 59 gewesen sein und ich war zu dieser Zeit Fahrverkäufer bei Coca-Cola und zusätzlich zu der 6-Tage-Woche hatte ich Verkäufe übernommen, die Samstag abends oder Sonntag an Sportstätten durchgeführt wurden. Das war ein ganz besonderer Knochenjob, denn wenn ich nachrechne wieviele Colakisten ich wohl über die steilen Stufen des Wiener Stadions oder im Wiener Parkklub hochgeschleppt habe, dann wird mir jetzt noch flau im Magen. Und dazu auch noch die schweren Kühltheken um das Getränk auch mit der richtigen Trinktemperatur an den Mann zu bringen. Das erforderte lange Vorbereitung um beim Anpfiff parat zu sein. Dazu hatten wir pro Theke 10 bis 12 „Läufer“. Sie liefen mit vollen Trägern durch die Sitzreihen, öffneten die Flaschen, gossen das Getränk in Pappbecher und kamen mit Geld und Leerflaschen zurück an die Theke um neue Flaschen zu holen und lieferten gleichzeitig das eingenommene Geld ab. Das musste-besonders während einer Pause- in Wahnsinnstempo vor sich gehen und man brauchte schon gute Nerven um den Stress durchzustehen und ich kann mich da an manche kritische Situation erinnern.

    FRITZ war ein paar jahre älter als ich und zu dieser Zeit Lagerarbeiter bei meiner Firma. Was lag näher als dass er mir schon ab Lager half und als Läufer war er nicht nur einer der fleissigsten, sondern auch einer der ehrlichsten. Am Ende einer solchen Veranstaltung setzten wir uns bei einem Glas Bier zusammen um den eingeheimsten Überschuss redlich zu teilen. Und eines Tages sitzt da beim Fritz seine kleine Tochter und er stellt sie mir vor: „Und das ist die Mutti- die Gunda!“ So lernte ich sie kennen. Fritz hatte sie während des Krieges kennengelernt und nach dem Krieg aus dem heimatlichen Franken nach Wien mitgenommen. So sahen wir uns ab und zu bis… Ja bis ich mich 1961 in die Telefonistin aus unserer Firma verliebte. Es blieb nicht aus, dass ich ihre Eltern kennenlernte und dann auch noch in der näheren und ferneren Verwandtschaft beaugapfelt wurde. Und dann hiess es eines Tages: Wir gehen zum PIPI-Onkel! Und wer war das? Der Fritz mit seiner Gunda! Da haben wir aber Augen gemacht!

    So kam sie in meinen Umkreis, denn wir waren jedes Monat einmal ode zweimal beisammen. Schon wegen des Tarockierens, das Fritz, den Vater von Helga, Helga und mich immer wieder zusammenführte. Während die Trauergäste ihre Litanei murmeln sehe ich ihre lustigen Augen in dem erbosten Gesicht, wenn wir zu wenig ihrer hervorragenden Küche zugesprochen hatten, ich höre das helle Lachen,wenn wir versuchten -meistens vergeblich- ein paar Worte Wiener Dialekt mit ihr zu sprechen. Ich sehe ihr zerquältes Geicht, als sie an der Bahre ihrer Tochter stand. Ich höre das „Bitt für uns“. Ich glaub Gunda für Dich braucht niemand zu bitten, Du warst ein wunderbarer, liebenswerter Mensch.
    Vor 5 Jahren ist Dein Fritz vorausgegangen. Du hast es kaum bemerkt. Dein Geist hatte sich in den Alzheimer-Labyrinthen leise davongeschlichen und du hast uns nicht mehr erkannt.

    Nun liegst Du da. Es ist zu Ende. Soll ich sagen: Es war eine Gnade?

    Ich schäme mich meiner Tränen nicht, während ich dies schreibe.

    Adieu, Gunda! Adieu!

  • ganz kleine Nachtmusik

    Da sitzt Anna Sofie Mutter-als Violinvirtuosin weltbekannt- neben Harald Schmidt auf dem Klavierstockerl. Nach köstlichen, vorbereitendem Diskurs spielt sie die rechte Hand und er- etwas holpriger- die linke Hand. Mozart schrieb dieses kleine Menuett als achtjähriger. War wunderbare Mitternachtsmusik. Wünsch ich mir öfter mit so prominenter Besetzung!

  • Was sagt schon eine Frau

    Ich habe den Sonnenuntergang nicht mehr gesehen

    seit ich mich ans Dunkel der Nacht vergeben habe.

    Ich kann mit dem Regen nicht mehr streiten

    seit meine Tränen sich mit seinen Tropfen vermischen.

    Ich habe meinen Mut, meine Träume und dich verloren

    seitdem ich mich verloren habe.

    Ich kann niemanden um Verzeihung bitten

    weil ich mir selbst nie verzeihen werde.

    Dies steht am Ende eines Buches das ich dieser Tage aus der Hand gelegt habe. Es ist eines der schrecklichsten Bücher, die ich je gelesen habe und ich konnte es nur in Abschnitten bewältigen.

    Es sind die Erlebnisse einer jungen Türkin- in Deutschland aufgewachsen, zwangsverheiratet nach Anatolien und ihr Versuch ein neues Leben zu beginnen. Da spricht eine Frau von tiefster seelischer, geistiger und körperlicher Entwürdigung. Es heisst „Erstickt an Euren Lügen“ und ist von (Psudonym) Inci Y. geschrieben.

    Glaubt mir: Ich sehe heute die hübschen, türkischen Mädchengesichter unter dem Kopftuch und in ihrem geblümten, bodenlangen Rock ein wenig anders als bisher. Ich habe Mitleid mit ihnen, aber alle grossherzigen Spenden der österreichischen Bevölkerung können ihnen nicht helfen. Sie können sich nur selbst befreien von ihren erbärmlichen Machos. Hoffentlich gelingt es ihnen bald. Das würde ihrer Heimat sehr helfen.

  • Ein wunderbares Kind

    …..hatte seinen ersten Geburtstag. Da konnte Opa doch wirklich nicht am Schreibtisch verborgen bleiben. ich hoffe mich hat niemand vermisst. Und wenn auch schon. Man wird einsehen, dass es viiiiiieeel wichtigeres gibt. Aber ich komme wieder.

  • Nicht gesucht….

    So wie auch jetzt war Adventzeit. Vor 14 Jahren. Und die Weitwandergruppe der ich mich angeschlossen hatte, veranstaltete jedes Jahr zur Adventzeit eine kleine Feier,die auf irgendeiner Hütte stattfand. Und in diesem Jahr hatte ich beschlossen, ebenfalls daran teilzunehmen. Im heurigen Jahr sollte die Naturfreundehütte am Fuss der Rax der Ort dieser Feier sein. Rax hab ich immer schon gerne gehört und das war wahrscheinlich auch der Grund, der mich veranlasste eine solche für mich ungewohnte „Feier“ zu besuchen. War ich doch bisher meistens allein oder nur in ganz kleinen Gruppen von 3-4 Wanderern unterwegs und in diesen meinen vorgeschrittenem Lebensalter hatte ich mit Feiern nix mehr am Hut. Das, dachte ich mir, lag hinter mir. Aber, schaust dir das halt einmal an und packte meinen 2-Tagerucksack.

    Als ich am Samstagmorgen die Äuglein öffnete hätte ich sie am liebsten gleich wieder zugemacht, mich noch einmal in die Decke gewickelt und weiter gebüselt. Es regnete, was heisst regnete – es goss! Na ja, jetzt hab ich einmal zugesagt also überwind ich halt meinen inneren Schweinehund und steh auf. Ich red mir ein, dass auf der Rax ohne weiters die Sonne scheinen kann–hab ich ja schon alles erlebt. Also auf, rein in die Bergschuh, den Anorak um und auf zum Südbahnhof. Dort die angenehme Überraschung. In Anbetracht der herrlichen Witterung haten es viele vorgezogen…so wie ich eigentlich wollte. Der Mürzuschlager Eilzug bringt uns nach Payerbach, wo wir fast sofort Anschluss zum Autobus Preiner Gscheid haben. Unser Grüppchen findet leicht Platz, denn heute ist wirklich kein Ausflugswetter. Es regnet noch immer, aber wir Unentwegten wollen es eben genau wissen, wie es auf der Rax ist. Beim Oberen Eggl macht der Bus eine Pause und mich sticht der Hafer. >Ich geh von da aus zu fuss rauf<>geh bist gscheit, bei dem Regen!< Aber ich liess mich nicht abhalten und fand sogar noch Nachahmer, Elfi Ruthner und ihr damaliger Freund, der hagere Christian und zu meiner grossen Freude der von uns allen geschätzte Führer Karl Mor stiegen mit mir aus. Die anderen fuhren aufs Gscheid und gingen von dort zum Waxriegelhaus hinüber. Obwohl es regnete, war die Sicht nicht schlecht und der Weg war im allgemeinen gut markiert. So kamen wir auch recht gut voran. Wie ich es gewohnt war achtete ich auf das Gestein, das mir unter die Füsse kam und in meinem Tourenbuch findet sich folgender Eintrag: "Anfangs Grünschiefer ( Radschiefer ), weiter oben Kalk- vorerst Werfener Schichten" Im Höhersteigen wurde es kälter und der Regen verwandelte sich in Schnee. Ab etwa 1200 m schneit es immer dichter und nun wurde das Wegsuchen wichtig. Die anderen 3 bleiben etwas zurück. Ich kann mich erinnern, dass ich durch eine Waldlücke in das gewaltige Kar der Preiner Schütt sehen konnte und von da an begann es mit Riesenflocken so dicht zu schneien das man kaum mehr ein paar Meter sah. Mit meinen Gefährten verständigte ich mich durch Zurufe und sie waren froh, dass ich den Spürhund machte. Da taucht endlich die Hütte aus dem wilden Geflocke auf. Toni Szuppan, der liebe dicke Toni, steht im Windfang der Hütte und als er mich kommen sieht hat er flugs ein Häferl Jagatee bei der Hand. Ein paar Schluck nur- die Anderen drängen auch schon heran.

    Warm und gemütlich war es am Abend in der Hütte. Wir waren natürlich die einzigen Übernachtungsgäste an diesem Wochenende. Das Essen war gut und unsere Damen packten die mitgebrachte Weihnachtsbäckerei auf Teller die herumgereicht wurden. Erika, die solche Feiern immer gestaltet, rezitierte Gedichte aus der eigenen Feder, die Gitarre kam, wir sangen die alten schönen Lieder von der Weihnachtszeit, tranken ein paar Schluck Rotwein und ich fühlte mich wohl wie schon lange nicht. In meinem Tourenbuch steht, dass ich >erst um 11 Uhr schlafen< gegangen bin.

    Während der Nacht gab es einen ordentlchen Schneesturm von dem mir aber nur der Hüttenwirt erzählt hat. Ich hab gut geschlafen. Die Gruppe löst sich nun rapid auf. Erika und Fritz haben Verpflichtungen im Alpenverein und verlassen uns noch vor dem Frühstück. Der Grossteil will den Autobus erreichen, der um 10 Uhr vom Gscheid weggeht und bei dem Schnee….. Ich lass mir ein bissel Zeit und Alois hat es auch nicht so eilig. Um 12 Uhr geht vom Oberen Eggl ein Bus nach Payerbach und den schaffen wir bestimmt. Es ist teilweise schon verweht und der Wind ist noch immer böig und saukalt. Als wir dann auf der Strasse sind, geht es flotter. Beim Eggl werden wir mit Hallo empfangen. Unser Gruppenleiter mit seinen Bekannten-die hatte ich vorher nie gesehen- hatten es auch nicht so eilig. Wir nutzten die Gelegenheit Mittag zu essen und dann ging es ab, wieder nach Hause. Und in meinem Tourenbuch steht >recht stimmungsvolle und besinnliche Adventfeier< Und zum Schluss noch>Leider ist dieses Büchlein ein wenig unansehnlich geworden. Es ist ordentlich eingenässt worden. Aber das hebt seien Wert—denk ich mir zumindest<.

    Ist irgend etwas auffälliges an dieser Seite? Nein? Mir ist auch nichts aufgefallen und doch ist etwas geschehen…. Ich hatte nichts verloren, also hab ich auch nicht gesucht. Und doch hatte ich etwas gefunden, ich wusste es nur noch nicht.

  • Mensch sein

    In Italien dichtet man auf l’uomo

    das Gotteshaus il duomo.

    In Frankreich passt zu l`hommes

    sinnigerweis das Wörtchen pommes.

    Shakespeares Erben reimen auf men

    dann und wann auch then und when.

    Nur bei uns der Dichter schwitzt

    und kein Reimeschmieden nützt

    bei uns fügt nur Mensch zum Menschen sich…

    Gräulich, nicht wahr!

    Da verlier ich mich lieber gleich

    im weiten, weiten Prosareich.

    Papa und Servus!

  • Zum Wiederhören

    Late night music im SWR: TINA DICO. Die Band gibt einen fast minimalistischen Sound wieder. Er wird vornehmlich durch Leadgitarre, zeitweise ganz zarte Drums getragen und von einer unerwartet guten Stimme begleitet. Ausserdem überrascht er durch mancherlei Variationen Besonders gut: In The Red.

  • spät abends

    Gestern nacht bei Sandra Maischberger: Debatte über das finanzielle Risiko der Pharmakonzerne bei der Entwicklung von Heilmitteln für selten auftretende Krankheiten. In der Diskussion kam aber auch zur Sprache die Unterbrechung der Schwangerschaft bei erkannter geistiger oder körperlicher Behinderung des Embryo. Wie schön, dass nun auch von katholischer Seite verstanden wird, dass nicht nur den Eltern sondern auch dem Kind zugemutet wird mit einer solchen Belastung zu leben. Und dass es in der Verantwortung jedes Paares liegt, die richtige Entscheidung zu treffen.

    Wie schade, dass die Sendezeit dieser überaus sympathischen und klugen Moderatorin so spät angesetzt ist, dass ihre Sendungen im besten Fall ein Minderheitenprogramm daratellen. Ob da nicht doch was zu ändern wäre?

  • Da schau…

    in dem ORF-Nachrichtenauszug erscheint heute eine Meldung, wonach die USA derzeit als das schlimste Reiseland bezeichnet werden. Massgebend für diese Qualifikation wäre das schlechte und rüde Benehmen von Grenzbeamten. Reisende fürchten sie mehr als Terroristen. Bereits eine unkluge Bemerkung und man wird in Gewahrsam genommen.

    Weit ist es gekommen mit dem Land der Freiheit.

    Und dabei soll die Zahl der terroristischen Anschläge auf das Dreifache zugenommen haben-weltweit. Die Gründ dafür wären Armut, Verfolgung und Unterdrückung. Und nicht nur der fanatische Islamismus.